Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1902-03-01 · Heft 3-4 (März 1902) · p. Seite 110

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
46 (1902)
Issue
Heft 3-4 (März 1902)
Article
Die Wiederherstellung Israels unter den Achämeniden
Date
1902-03-01
Page
Seite 110 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2829132-2829760-2829763-2883787--31212-2883824
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

110 Die Wiederherstellung Israels unter den Achämeniden. Beobachtungen sind in allen Literaturen und auch in den Untersuchungen über die Entstehungsgeschichte biblischer Bücher alltäglich zu machen. Auch liegt die Annahme nahe, dass das aramäische geschriebene Büchlein ausserhalb Palästinas verfasst sein konnte und daher dem im heiligen Lande arbeitende Chronisten unbekannt geblieben sein mag. Charakteristisch für das Büchlein ist das Bestreben, ältere Begebenheiten auf Grund volkstümlicher Ueberlieferungen und Aufzeichnungen, über deren historischen Werth später gehandelt werden soll, in leicht verständlichem, Volksthümlichem Tone darzustelllcn. Dass dieses. Werkchen u rsprünglich eine, selbstständige Schrift nicht gewesen ist, sondern den Schluss der Chronik gebildet hat, beweist das Waw copulativum, mit welchem das erste Wort (ובשנת) beginnt, auf das Entschiedenste. Der volkstümliche Charakter der geschichtlichen Materialien, mit denen der Verfasser arbeitete, zeigt sich auch darin, dass, während ihm hier Urkunden unbekannt waren, die in den Kreisen der höheren jüdischen Behörden vorhanden waren, — so z B. dieEdicte der Könige Kyros und Darius — ihm diejenige königliche Korrespondenz zugänglich war, die sich nicht in den Kreisen der jüdischen, sondern in denen der samaritanischen Vornehmen befunden hat. Wahrscheinlich waren es mit Samaritanern befreundete jüdische Kreise, welche die Bekanntschaft mit derartigen Documenten den jüdischen Volkskreisen vermittelten. Daraus erklärt sich, wie der Chronist zu dem Briefwechsel in c. IV, 6—23 gekommen sein mag. Dass auch die Liste in Esra II u. Neh, VII zu den Dochmenten gehörte, die seit der Zeit der Rückkehr unter Kyros besonders in den Kreisen des Volkes bekannt waren, beweist die Bemerkung Nek. VII, 5 aufs Deutlichste. Denn welchen Nutzen auch immer Neh. aus dieser alten Liste hat ziehen wollen, — sei es, dass er, wie Graetz meint, damit die Reinheit der Abstammung derjenigen Familien, mit deneD er Jerusalems Bevölkerung verstärken wolllte, habe beweisen wollen, oder dass er, wie Andere meinen, nur das Verhältniss der gegenwärtigen Bevölkerung zu derjenigen der Tage Serubabels habe feststellen wollen — so hätte es für alle diese Zwecke einfach genügt, die Liste durchzulesen und die nöthigen Consequenzen daraus zu ziehen. Dass er es aber für nöthig gehalten hat, die endlo9e Liste wörtlich in seine Memoiren aufzunehmen, beweist

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.