Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 46 (1902)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1902)
- Article
- Die Wiederherstellung Israels unter den Achämeniden
- Date
- 1902-03-01
- Page
- Seite 105 (sequence 9)
- Language
- German
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Die Wiederherstellung Israels unter den Achämeniden. ],05 gefunden habe. Dass ein solches Hineindeuten in einen Text alles eher als wissenschaftlich ist, braucht nicht erst bewiesen zu werden. ISTioht minder wunderlich ist Sellins und Grünhuts Behauptung, dass "אשיה" ([IV12) auf Tempelbau bezogen werden müsse, weil das in V16 auch der Fall sei. "אשיה" bedeutet aber weder ״Tempel“ noch ״Mauer“, sondern einfach ״Fundament“ gjeich dem hebräischen ״אשיישי״ Jes. XVI, 7. ,אשיה" Jer. L,15. und dem keilinschrittlichen אוש־שו Nimrod 14, 17 u. s. w. Dieselbe Bedeutung hat dieses Wörtchen auch im Syrischen1). Besonders Grünhut a. a. 0. will eine ganz überraschende Entdeckung gemacht haben, die seiner Ansicht nach alle neuen exegetischen Behauptungen über Esra IV, 823 —־. ad absurdum führen muss. Er hat nämlich in einem mittelalterischen Esra-Commentar, der angeblich von dem bekannten arabischen Bibelübersetzer, dem Gaon B׳. Saadja, herrühren soll, gefunden,, dass derselbe dieses Wortchen ebenfalls auf den Tempelbau bezieht. Diese Entdeckung hat Herrn Grünhut offenbar mit ganz besonderer Genugthuung erfüllt, da er schon in der Vorrede, seine Leser auf diese grosse TJeberraschung aufmerksam macht. Allein abgesehen davon, dass nach der übereinstimmenden Meinung aller Sachverständigen der betreffende Commentar gar nicht von dem berühmten Gaon verfasst ist, kann doch unmöglich die blosse Autorität eines berühmten Namens uns veranlassen, einem bekannten aramäischen Werke eine Bedeutung unterzuschieben, die ihm nicht zukommt. Dazu kommt, dass der Autor, der diese Auffassung vertritt, gar keinen Vorstellung hatte von den chronologischen Schwierigkeiten die sich erheben, wenn wir seiner Meinung folgen. XI. Sieht man aber auch von den chrono logisehen und etymologischen Unmöglichkeiten, welche die genannte Auffassung von Esra IV, 6—28 mit sich bringt-, ab, so gibt es auch zahlreiche andere Momente, die diese Interpretetion unzulässig machen. Nämlich : 1. Wie wäre es denkbar, das der Prophet Haggai den Vorwurf über die Vernachlässigung des Tempelbaues hätte erheben und die Hungersnoth als eine wohlverdiente Strafe des Himmels für diese Saumseligkeit hätte bezeichnen können,' wenn doch schon vorher der Tempelbaii auf Befehl des Königs verboten worden wäre? 1) Levy, cliald. Wörterb. und Marti, Biblisch aramäische Gram.