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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1901-01-01 · Heft 5 · p. Seite 465

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
45 (1901)
Issue
Heft 5
Article
Leipziger Messgäste
Date
1901-01-01
Page
Seite 465 (sequence 6)
Language
German
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Leipziger Messgäste. 465 zollen ein ging, was in der Messe selbst verhandelt ward, und ־was endlich der tägliche Lebensbedarf der zahlreichen Fremden zu verdienen gab, lässt sich auf weit erklecklichere Summen schätzen. Ja selbst, ehe noch die jüdischen Messfahrer die Thore Leipzigs erreichten, blieb an allen Orten, die sie passierten, Geld von ihnen hangen, zum mindesten das Zollgeld, das sie zu entrichten hatten. War doch durch kurfürstliche Verordnung aufs genaueste vorgeschrieben, welche Heerstrassen alle Fuhrleute und Reisenden ohne Unterschied einzuschlagen hatten, damit sie nicht ״von denen ordentlicher! Grleits- und Zoll-Städten beyseits abgehen und der schuldigen Abstattung sich möchten entbrechen können“1). Die zahlreichen Juden, die z. B. von Osten her, aus Böhmen, Mähren, Schlesien u. s. w., regelmässig nach Leipzig reisten, hatten den Weg über Görlitz, Budissin, Camentz, Königsbrück, Grossenhayn, Cossdorf, Torgau, Eilenburg einzuschlagen und auf־ dieser Strecke Görlitz-Eilenburg bereits 2 Thaler 11 Groschen 3 Pfennige Leihzoll pro Kopf zu entrichten2). Trotz dieser ungünstigen und abschreckenden Bedingungen zog der Aufschwung, welchen der Leipziger Messhandel nahm, auch die jüdischen Messgäste in immer grösserer Zahl heran, und sie trugen durch die Zunahme ihres Besuches und ihrer Waren wiederum ein gut Teil dazu bei, dass die Leipziger Messe allmählich eine so dominierende Stellung einnahm und bewahrte3). Am schnellsten und auffälligsten hob sich der Zuzug aus den jüdischen Gemeinden Süd-,W est- und Mitteldeutschlands. Die Zahl der aus diesen Gegenden in Leipzig vertretenen Gemeinden stieg in den 25 Jahren 1675—1699 von 12 auf 54 als Höchstziffer, während die Höchstziffer der vertretenen ostdeutschen, österreichischen und russischen Gemeinden zusammen nur 38 betrug. Freilich hatten trotzdem die Gemeinden aus dem Osten durch־ schnittlich die Ueberzahl, und vor allem war die Personenzahl, welche sie stellten, eine ungleich grössere. P r ag allein entsandte zu den Messen regelmässig eine alle anderen ג) Mandat die Heerstrassen betr. vom 24. ]Februar 1653, ab gedruckt in der Stadt Leipzig Ordnungen u..s. w., S. 105 ff. 2) Leipziger Akten LI. 6., und Markgraf a. a. O., S. 83; die Ortscliaften nach cler Schreibweise des. Heerstrassenmandats, S. 107. 3) Markgraf a. a. O., S. 93. Funke Reinhold, Die Leipziger Messen, Lpzg. 1897, S. 41. Monatsschrift:, 45. Jahrgang, 30

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