Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 45 (1901)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Leipziger Messgäste
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 464 (sequence 5)
- Language
- German
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464 Leipziger Messgäste. In der Neujahrsmesse 1675 erliess deshalb der Rat neue strenge Anordnungen. Jeder jüdische Messbesucher sollte am Tbtore einen Thorzettel lösen und binnen vierundzwanzig Slunden denselben auf der Wage gegen einen Angabezettel und auf der Gerichtsstube gegen einen Schutzgeldzettel umtauschen; den Angabezettel hatte er stets bei sich zu tragen und bei der Abreise wieder gegen Passierzefctel einzulösen1). Infolge dieser Bestimmungen wurde seit der Ostermesse 1675 über alle jüdischen Messgäste, soweit sie Volljuden, d. h. nicht im Besitze besonderer Frei-, Kammer-• und Einkaufspasse waren, sorgfältig Buch geführt, eben jene Messlisten, welche sich in den Archiven glücklicherweise noch erhalten haben. Nach Ausweis derselben haben in den ersten 25 Jahren seit Bestehen dieser Kontrolle, also von der Ostermesse 1675 bis zur Michaelismesse 1699, abgesehen von den mit Pässen versehenen Messfahrern, 18182 Volljuden die drei Leipziger Messen besucht2), darunter 15820 selbstständige Kaufleute und 2362 Frauen, Diener, Mäkler und Musikanten, welch’ letztere beide gleichfalls auf Halbzoll gesetzt waren. Es sind also während dieser 25 Jahre allein an Leibzoll von den hier genannten Messgästen der kurfürstlichen Regierung und der Stadt Leipzig zusammen zugeflossen: 15820 X 10608362/3 — 6/ג Thaler 2362 X 576 1220373 Thaler in Summa 17304073 Thaler. Und doch stellte diese respektable Summe, deren damaliger Geldwert ein unvergleichlich höherer war, und die natürlieh nur in den vollgewichtigsten und besten Münzstücken angenommen wurde, nur einen kleinen Teil des ״ Judengeldes“ dar, welches dem Sachsenlande und der Stadt Leipzig die jüdischen Messgäste einbrachten. Was an Accisen und Waaren- ג) Acta Leipzig* LI. L Markgraf S. 7 verwirrt die Jaliresdaten und erwähnt die Jahreszahl 1675 gar nicht, obwohl nur durch diese der Beginn der Messbücher erklärlich wird. 2) Markgraf,, 8. 10, erklärt, dass sich über den Besuch der Neujahrsmessen keine Nachrichten haben auffinden lassen. In den Messbüchern sind auch die Besucher der Neuj ahrsmess eil genau verzeichnet und hier stets miteingere ebnet. — In der folgenden Darstellung und in den angehängten Verzeichnissen sind nur die ersten 25 Jahre 1675—1699 einschl. berücksichtigt, weil diese älteste Zeit das grösste historische Interesse bietet, und weil sonst die Fülle von Namen ins Unabsehbare gestiegen wäre. Vielleicht findet sich auch für die spätere Zeit einmal ein. Bearbeiter i