Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 45 (1901)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Leipziger Messgäste
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 466 (sequence 7)
- Language
- German
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466 Leipziger Messgäste. Gemeinden weit hinter sich zurücklassende Menge von Mess« gasten.Ueberhauptwar der Besuch aus Mähren und Böhmen weitaus der stärkste, während er aus Galizien, Polen und Russland in jenen Jahren verschwindend gering blieb. Nach einer amtlichen Zusammenstellung1) waren unter den 11959 selbstständigen jüdischen Kaufleuten, weiche in den erwähnten 25 Jahren die Oster- und Michaelismesse bezogen, insgesamt 9823 also nur ungefähr ein Zwölftel Polen, und dabei darf nicht vergessen werden, dass auch damals schon der Name ״polnischer Jude“ als Sammelbegriff für die östlichen Juden galt, und dass in dieser amtlichen Zusammenstellung nicht bloss der Zuzug aus den jetzt zu Deutschland gehörigen Stücken des ehemaligen Königreichs Polen und nicht bloss die Besucher aus galizischen, sondern auch aus anderen angrenzenden österreichischen Ortschaften mit unter der Be- Zeichnung Polen eingerechnet sind* In Wirklichkeit sind es also, wie sich ans der nachfolgenden Tabelle ergibt, die deutschen, böhmischen and mährischen Gemeinden, welche das Haupteontingent der jüdischen Messgäste stellen. Yon den deutschen Gemeinden sind ganz besonders stark regelmässig Hamburg, Halberstadt und Berlin, dann Dessau und Frankfurt a. M« vertreten; vom Ausland nur Amsterdam und Y en edig. Die nachstehenden Tabellen zeigen die Besuchszifter der drei Messen zu Neujahr, Ostern und Michaelis in den ersten 25 Jahren seit der Einführung der Controllbücber 1675—1699. Im ersten Jahre fehlt das Verzeichnis der Neujahrsmessgäste, da die neuen Controllbestimmungen erst während dieser Messe publiciert worden waren. Der starke Rückgang der Messbesucher in den Jahren 1680 und 1681 9 In Acta Leipzig־ LI. 6. ־und der Tabelle bei Markgraf a. a. O., S. 8, die völlig falsche Ziffern bietet, weil sie — abgesehen davon, dass die Besucher .der Neujahrsmessen darin fehlen — die polnischen Juden nochmals zu der Zahl der übrigen hinzurechnet, während sie in Wirklichkeit in der Liste der Juden ״aus verschiedenen Ländern“ bereits mitenthalten sind. Die Bemerkung Markgrafs S. 10, die Messe sei b e s o nde r s stark von den polnischen Juden frequentirt worden, trifft nach dem oben Erörterten nicht zu. Aber auch im folgenden Jahrhundert verändert sich das Stärke Verhältnis nicht sehr; der Zuzug aus Polen wird zwar grösser als zuvor, aber weit mehr noch nimmt auch die Beteiligung besonders aus Deutschland selber zu, wie dies aus den Messbüchern klar hervorgeht.