Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 45 (1901)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Leipziger Messgäste
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 463 (sequence 4)
- Language
- German
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Leipziger Messgäste. 463 Leipziger Handel zuträglicher sei, wenn man Christen und Juden gleichmässig besteuere und nicht die letzteren durch übermässige Intraden vom Besuch der Messe abschrecke oder gar zum Unterschleif gewaltsam zwinge1). Man sah eben in den Messjuden nicht Handelst eute, sondern Handelsw aaren. Nur die mit besonderen Kammer- und Einkaufspässen versehenen Juden waren etwas günstiger gestellt, obgleich die Leipziger Judenordnung vom Jahre 1682 gleichfalls wünschte (Artikel 19): ״Pässe sollen denen Juden nichts helffen.״ Bereits auf Grund der Judenordnung vom 21. April 1668, welche die Höheder Warenabgaben an den. R a t h auf 72%־־ des Waarenwertes festsetzte — ausser den an den Kurfürsten zu leistenden Waarenzöllen, — hatte die Stadt die Einführung einer namentlichen Meldung der Juden zum Zweck genauer Zollkontrolle versucht, dieselbe aber nur in der Herbstmesse desselben Jahres recht durchsetzen können2). ג) Markgraf führt a. a. O. S. 5 selbst die Gründe für das scheinbar judenfreundliche Verhalten des Rats an, bringt es aber trotzdem fertig, die von einer erwählten Commission Leipziger Bürger dach offenbar aus denselben Beweggründen vor geschlagene Gleichstellung als einen Beweis dafür anzusehen, dass die Gesinnung der Leipziger Bürger gegen die Messjuden eine wohlwollende geworden war. Aus den von Markgraf S. 78 ff. geschilderten Angriffen der Kaufmannschaft gegen den jüdischen Messhandel spricht aber ebensowenig Wohlwollen, wie aus den Angriffen der Innungen gegen die Juden, von denen die Acten voll sind. Bezeichnend ist ferner, dass —. Archiv cler Stadt Leipzig LI. 2. — Abraham Aron ״fürstl. Sachsen Lauenburgischer Hofjude und Primas über die im Königreich Böhmen wohnende L an des juden sehaft“ am 6/16. August 1687 von Schlackenwerth aus im Namen aller Messjuden erneut die Bitte an den Kurfürsten richten muss, die jüdischen Messfahrer gegen alle Beleidigungen, Insulten & Thätlichkeiten, denen sie fortwährend׳ in Leipzig ausgesetzt seien, in Schutz zu nehmen,; anderenfalls sie nicht mehr dorthin kommen würden. Erst infolge dieser Drohung wird am 18•. August endlich ein diesbezüglicher Erlass vonseiten des Rates publiciert. Zur Familie des hier genannten Abraham Aron vgl, Gal Ed Nr. 159 u. Hocls-Kaufmann, Familien Prags (Pressburg 1892), S. 866. 2) Das Verzeichnis der zur Ostermesse 1668 nochanwesenden Juden, welche die neue Verordnung durch Unterschrift anerkennen mussten, und die Michaelisliste finden sich in Acta, der Stadt Leipzig LI. 2. Die einzelnen Namen sind hier im Anhang in die Mes-slisten van 1675 ab mit eingefügt. Zur Ostennesse sind es 32 Juden, aus Prag, Hamburg, Halberstadt. Hildesheim, Frankfurt a. M. und . Lissa, die unterzeichnen; die Michaelisliste weist 95 Namen aus 26 Gemeinden auf, von denen Prag, Hamburg, Halberstadt und Lissa wiederum die Mehrzahl stellen.— Markgraf a. a. O. S. 10 leistet sich die Behauptung : Aus der Zeit vor 1675 fehlen alle Anhaltspunkte, aus denen man auf die Teilnahme des jüdischen Elements an־ den Messen scliliessen könnte (!). -