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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1901-01-01 · Heft 5 · p. Seite 461

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
45 (1901)
Issue
Heft 5
Article
Leipziger Messgäste
Date
1901-01-01
Page
Seite 461 (sequence 2)
Language
German
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Leipziger Messgäste. 461 noch vorhandenen Messbücher* 1) die Anteilnahme der jüdisehen Gemeinden am Leipziger Messhandel in jährlicher Aufeinanderfolge aufs genaueste feststellem2). Diese Messbücher, auf deren unschätzbaren Wert für die Quellenforschung zur jüdischen Geschichte ich bereits an anderer Stelle hingewiesen habe3), waren zur Steuerkontrolle über alle die Leipziger Messe besuchenden Juden eingerichtet und geführt worden. Die jüdischen Messgäste stellten nämlich für die Stadt Leipzig nicht bloss dem Handel sehr einträgliehe und bedeutsame Persönlichkeiten, sondern auch selber — als Juden — vorzügliche Sfceuerobjekte dar, und ־wenn Glück el, verdeutscht seinen Namen in Hain oder Heine Goldschmidt; es ist von Interesse, dass er, der bekanntlich in den Ahnensaal Heinrich Heines hineingehört (s. Kaufmanns so betitelte Schrift, Breslau 1896, S. 49 ff.), bereits den Namen seines Abkömmlings führt, und es ist seihstverständlich, dass auch der F am i li e nname Heine die auf dem Umwege über Heine-mann entstandene Verdeutschung von Chajjim ist. Die von Karpeles, Heinrich Heines Stammbaum väterlicherseits, im Gedenkbuch zur Erinnerung an David Kaufmann, Breslau 1900, S. 489 f., ausgesproebenen Zweifel sind schon deshalb hinfällig, weil die Annahme des von irgend einem bedeutenden Vorfahren geführten Vornamens als Fam i- 1 i e nnamens auch sonst üblich war; z. B. der Familienname Wulff, worüber mein Buch, Aus der Heimat Mendelssohns, Berlin 1900, S. 15, zu vergleichen ist. Heine Goldschmidt (Chajim Hameln) aus Hamburg besucht die Leipziger Messe in den Jahren 1668, 1675, 1679, 168.3—86 und 1688 nochmals zu Ostern und Michaelis. Nach seinem Tode 1689 erscheint GHückel in den Messverzeichnissen unter dem Namen : Hain Goldschmidts Witwe und zwar 1692, 1698 und 1699. Als ihre Kinder bezeichnen die Messlisten selbst1 :״. Marcus Goldschmidt Mardocliai Hameln, welcher 1686 und 1688 in Begleitung des Vaters, wie Glückei selber erzählt, von 1690 an aber selbstständig alljährlich in Leipzig erscheint; 2. Levi Goldschmidt Lob Hameln, 1691—93 von Berlin aus, wohin er geheiratet hatte, 1697 von Hamburg aus in Leipzig. Aber auch die unter Hamburg' genannten Nathan Goldschmidt, 1686—89, 1692, 1697—99, und Samuel Goldschraidt, 1693 von Hamburg, 1699 von Bamberg aus in Leipzig, sind sicher die bekannten Söhne der Glückei. — Dies eine Beispiel möge alsbald zeigen, welch’ verschiedenartige wichtige Aufschlüsse die genaue Durchforschung der Leipziger Messlisten zu bieten vermag. ג) Acta des Kgl. Staatsarchivs zu Dresden, 10c. 9482 u. 9483. 2) Markgraf Richard, Zur Geschichte der Juden auf . den Messen in Leipzig von 1664—1839, Rosto-cker Dissertation, Bischofswerda 1894, hat nicht die Messbücher selber, sondern nur auf ihnen beruhende, spätere Actenstücke des Stadtarchivs zu Leipzig־ eingesehen. Die Abhandlung' bedarf infolge dessen für die ältere Zeit bis zur Mitte des 17, Jahrliunderts einer völligen Umarbeitung, wie sich weiter ergeben wird. Dem Verfasser, einem evangelischen Lehrer, sind natürlich auch die Beziehungen zu den allgemeinen jüdischen Verhältnissen unbekannt. y) Aus der Heimat Mendels-sohns, S. 14.

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