Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 45 (1901)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Der "Jude" Aristoteles
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 458 (sequence 6)
- Language
- German
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458 Der Jude Aristoteles. schuld. Georg von Trapezunt übertrug in seiner Uebersetzung des Josephus die Worte aus dem Fragment des Klearchus : Kal zxzXvoq tolvuv j/iv 7;>0ד£ך]v }I0uSaT0$, womit dieser den Mann bezeichnet, der mit Aristoteles zusammentraf, lateinisch : Atque ille, inquit Aristoteles, Judaeus erat. Es wurde aber mit falscher Interpunction gedruckt: Atque ille, inquit, Aristoteles Judaeus erat1). Weise Leute glaubten wirklich, Kleareh habe seinen Lehrer Aristoteles als Juden bezeichnet. Der Erste, welcher sich täuschen liess, war der berühmte Humanist Marsilius Ficinus (2. Hälfte des 15. Jahrhunderts)2). Ihm folgte der Kardinal Gen ebrard3). Scipio Sgambatus, welcher, wie der Kirchenvater Clemens, die Abhängigheit der griechischen Philosophie von der jüdischen in einem langen Excurse beweist, will es unentschieden lassen, ob Aristoteles der Abstammung oder der Neigung nach Jude war4). —־ In demselben Jahrzehnt wie Genebrard’s Chronographia erschien die ״Ueberlieferungskette“ Gedalja ibn Jachja’s (1587). In diesem Buche sind alle Sagen über Aristoteles wie in einem Sammelbecken zusammen geflossen. Gedalja giebt gleichfalls an, dass Aristoteles zum Judeutum übergetreten sei; seine Quelle ist aber nicht der Trapezuntier, sondern Joseph b. Schemtob, von dem wir bereits wissen, dass er von Aristoteles’ Sinnesänderung im Alter spricht und mit den Worten schliesst: ושהחזירו שמעון הצדיק ז״ל. Statt dieser Worte, die in der Pariser von Munk verglichenen Handschrift stehen, las Gedalja jedoch: ונעשה גר צדק. Wahrscheinlich hat er die Handschrift nicht selber eingesehen, sondern auch hier, wie so oft5), Asarja di Kossi’s ״Augenleuchte״, die zuerst 1574 herauskam, ohne sie zu nennen, ausgeschrieben. Asarja citirt nämlich gleichfalls aus Joseph b. Schemtob: ונעשה גר צדק und beruft sich für die Bichtigkeit des Citats auch auf das Buch Abraham F a r i 8 s 0 Fs מק אברהם (ms.). Dass Farissol in der That so *) Peter Baylens historisches und kritisches Wörterbuch, übers, v. Gottsched, I, 326. 2) De religione christiana (Argentorati 1507) cap. 26, p. 25 a: Clearchus peripatheticus scribit, Aristotelem fuisse Jadeu-m. 3) Chronographiae libri IV (Paris 1580) f. 31 : Clearchus Peripate־ ticus scribit, Aristotelem fuisse Judaeum. 4) Archivorum Veteris Testamenti libri III (Neap. 1703), f. 458. ף Vgl. z u n z, כרם חמד v, 143.