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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1901-01-01 · Heft 5 · p. Seite 456

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
45 (1901)
Issue
Heft 5
Article
Der "Jude" Aristoteles
Date
1901-01-01
Page
Seite 456 (sequence 4)
Language
German
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456 Der Jude Aristoteles. Klearchus Dialog Fiep! ötuvqu citirt. Klearch fuhrt seinen Lehrer Aristoteles redend ein und lässt ihn von seinem Zusammentreffen mit einem Juden erzählen. ״Jener Jude“, so berichtet Aristoteles seinem aufhorchenden Schüler Hyperochides, ״war seiner Herkunft nach aus Cölesyrien, Da er viel mit Fremden verkehrte und aus den Binnenstädten nach den Seestädten kam, so war er zum Griechen geworden, nicht bloss der Sprache, sondern auch der Bilduog nach. Er traf, als wir in Asien verweilten, an einigen Orten mit uns und anderen Jüngern der Wissenschaft zusammen und Hess sich mit uns in Weisheitsgespräche ein. Er besass aber grosse Bildung, so dass er mehr gab, als er empfing“. So spricht Aristoteles bei Klearchus und rühmt ausserdem noch die grosse und bewunderungswürdige Selbstbeherrschung und Massigkeit des jüdischen Mannes. Mit Hilfe dieses Schrifttums lässt sich die Entstehung der Aristoteles-Legenden zum grössten Theile erklären. Clemens aus Alexandrien macht die Behauptung des Ale־ xandriners Aristobul zu der seinigen, dass die aristotelische Philosophie von Mose und den Propheten abhänge1). König Salomo galt nicht bloss als der weise, sondern auch als der gelehrte König, der mathematische, naturwissenschaftliche und philosophische Werke verfasst haben sollte. Hielt man aber alle Wissenschaft, die hei den Heiden angetroffen wurde, für ursprünglich jüdisches Gut, so musste man besonders geneigt sein, den Weisesten aller Juden, den König Salomo, für ihren Hauptvertreter auszugeben. Im pseudoaristotelischen Lapidarium beruft sich der Verfasser da, wo er die geheime Kraft des Steines קיסו־ר angiebt, auf Salomo, den Sohn Davids, als seinen Gewährsmann2). In der Encyklopädie der Wissenschaften, welche der mohammedanische religiöswissenschaftliche Verein der ״Lauteren Brüder“ im 10. Jahrhundert herausgab, werden alle Wissenschaften auf Salomo zurückgeführt3). Die Juden wiederholten also nur, was sie von Christen und Muhammedanern gehört hatten, wenn sie Aristoteles einen Dieb nannten, der sich jüdische Weisheit angeeignet habe. Meir Aldabi weis8 anzngeben, 13 Clemens, Strom. 5, 14. 2) Vgl. Steinschneider a. a. O. S. 240/41. 3) Fr. Dieterici: Der Streit zwischen Mensch und Thier, ein arabisches Märchen ans den Schriften der lauteren Brüder übersetzt, Berlin 1858, S. 109.

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