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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1901-01-01 · Heft 5 · p. Seite 455

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
45 (1901)
Issue
Heft 5
Article
Der "Jude" Aristoteles
Date
1901-01-01
Page
Seite 455 (sequence 3)
Language
German
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Der Jude Aristoteles. 455 eine enge Verbindung mit dem Judenthum zu vermuthen. Die Vermuthung wurde bestärkt durch pseudoaristotelische Schriften, welche allgemein als echt galten und vielfach mit den jüdischen Lehren in Einklang zu sein schienen, In besonderem Ansehen stand die sogenannte Theologie, eine Schrift neupLatonischen Ursprungs, die bereits von Mose ihn Esra citirt wird1), aber erst durch Francesco Eoseo aus Damaskus nach dem Abendlande kam und 1519 in lateinischer Uebersetzung gedruckt wurde2). — Eine andere pseudoaristotelische Schrift, die jetzt verschollen ist, liess der spanische Arzt Abraham ibn Zarzal auf Veranlassung des Veziers Lisan ed־din (gest. 1374) aus Kairo nach Spanien bringen3). — Ganz jüdisch ist der Brief, den Aristoteles an seinen Schüler Alexander geschrieben haben soll. Er enthält eine recantatio in optima forma, indem der Philosoph, von einem jüdischen Weisen belehrt, nur in der Thora die Wahrheit sucht und seine bisherigen Irrtümer bitterlich bereut4). — Auf Aristoteles wurde auch das Buch vom Apfel und das Buch von den Steinen zurückgeführt, von denen das Erstere, das einen Dialog über die Unsterblichkeit der Seele, nach dem Muster von Piatos Phädon, enthält, Noah und die Erzväter kennt5), das Letztere von den sympathetischen Kräften der Steine handelt und Salomo, den Sohn Davids, als Gewährsmann anführt6). — Ausser diesen dem Aristoteles untergeschobenen Schriften wurde, um des Philosophen Beziehungen zum Judentume zu erhärten, mit Vorliebe ein von Josephus7) und Eusebius v. Cäsarea8) mitgetheiltes Fragment aus des Aristotelikers ף Hebräische Bibliographie XIII, 1873, S. 12. 2) Den berichtigten arabischen Text גו. eine deutsche Uebers, hat Fr. Dieterici (Leipzig* 1882 bezw. 1883) herausgegeben. 3) C h a j j i m aus Briviesca a. a. O. und (Chajjim ausschreibend, ohne ihn zu nennen) G e d a 1 j a ibn J a c h j a a. a. O. Vgl. Stein- Schneider: Die hebräischen Uebersetzungen S. 272. 4) Der Brief findet sich hebräisch bei Gedalja a. a. O. Nach ihm stand er am Ende der durch Abraham ibn Zarzal nach Spanien gekommenen pseudo aristotelischen Schrift. Er ist mehrfach ins Lateinische, von S, E. Blogg (בנין שלמה S. 87) und E. Becker (Saat auf Hoffnung IX, 1872, S. 171 —173) auch deutsch übersetzt worden. 5) Das Büchlein bat sich nur in hebräischer Uebersetzung erhalten und ist oft gedruckt. Aus dem Hebräischen ist es lateinisch, englisch und deutsch (von J. Musen, Lemberg 1871) übersetzt worden. 6) Vgl. Steinschneider a. a. O. S. 236. 7) Contra Apion. 1, 22. 8) Praep. evang. 9, 3.

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