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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1901-01-01 · Heft 5 · p. Seite 443

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
45 (1901)
Issue
Heft 5
Article
Studien über die Beschneidung
Date
1901-01-01
Page
Seite 443 (sequence 11)
Language
German
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Studien über die Beschneidung. 443 Allerdings ziehen beide damit nur die Consequenz aus ihren interessanten, aber grundfalschen Deductionen. Die ganze Grundlage dieser geistreichen Hypothese bildet deA Umstand, dass die B. ebenso am männlichen Geschlechtsorgane vorgenommen wird, wie die schwerere und mildere Art der Entmannung. D i e Beschneidung ist jedock keineswegs ein geringerer Grad der Castration; sie ist vielmehr der Gegensatz der Entmannung. Das Abhacken eines Fingergliedes, ein Narbenzeichen an der Stirne wären sicherlich viel geeignetere und auch ״passendere" äussere Stammesabzeichen, als die Beschneidung der Vorhaut. Bergmann argumentirt also: um ein, auf alle Volksgenossen anwendbares Zeichen zu besitzen, müsste man nothgedrungen die Entmannung durch die B. ersetzen und anstatt die Hoden auszuschneiden, die Vorhaut beschneiden. Aber das setzt ja voraus, dass man eigentlich die Entmannung hätte ausführen sollen. In diesem Falle hätte sich doch wohl eine Spur dieses ehemaligen Brauches bei den Aegyptern, bei den Arabern und bei den Juden vorfinden müssen. In dieser Auffassung liegt die völlige Verkennung des Wesens dieser Sitte; es ist nicht sowohl eine Erklärung, als vielmehr eine Carricatur derselben. Es ist merkwürdig, dass solche wunderliche Auf- Stellungen, selbst jüdischen Theologen haben zum Fallstrick werden können! Ein dritter, älterer Autor, dessen Raisonnement von Glassberg bezeichnet wird : als ״die scharfsinnige Erläuterung der, im Buche Josua V. 4, angeführten Gründe für die vorgenommene Beschneidung, die den Gegensatz des ägyptischen Kastenwesens zum allgemeinen theokratischen Gedanken Israels noch deutlicher hervortreten lassen" — v. Autenrieth1) nämlich — reclamirfc die B. als ״Ehrenzeichen der Krieger"; er beruft sich auf die B. durch Josua, woselbst zweimal der Krieger gedacht wird, nicht aber der Priester und des Gottesbundes. Von den Kriegern wurde also durch die B. die ״Schande Mizrajims" abgewendet. ״Hatte die B. Bezug auf die Ehrenvorrechte des ägyptischen, und, als Nachahmung davon, des israelitischen *) Autenrieth, Abhandlung über den Ursprung der B, bei wilden und halbwilden Völkern in Beziehung auf die B. bei den Israeliten, Thübingen 1829.

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