Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1901-01-01 · Heft 5 · p. Seite 441

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
45 (1901)
Issue
Heft 5
Article
Studien über die Beschneidung
Date
1901-01-01
Page
Seite 441 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2829132-2829753-2829759-2883614--30923-2883648
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Studien über die Beschneidung. 441 in den Staub gespieen. Sagt doch der Autor selbst1) : ״Das Opfer, korban, welches der Beschneidung folgte, gehört wohl schon (!) den frühesten Zeiten, an“. Zur Bekräftigung der Opfertheorie ־weiss der Verfasser nur noch Folgendes anzuführen2) : ״Die heidnischen Völker des Alterthums gingen von dem Grundsatz aus, dass die Gottheit von dem Menschen Opfer erheische, um überhaupt vor der Gottheit bestehen zu können. Das schwerwiegendste Opfer ist dasjenige, welches der Mensch durch Entbehrungen darbringt, die er entweder seinem Körper auferlegt, oder zu denen er durch Vernichtung einzelner Theile des Körpers schreitet. Die PhÖnicier, weiche sich durch Einschnitte in die Plaut, durch Verbrennen ihrer Erstgeborenen zu Ehren des Moloch und andere derartige Handlungen ihren Göttern willfährig zu zeigen pflegten, scheinen uns allerdings hinsichtlich der Art von Opfern, die wir hier im Auge haben, vorbildlich gewesen zu sein“. Wenn das — wie es scheint — die Hauptstütze der Theorie ist, wonach die Beschneidung eine Milderung, eine Reform der partiellen und vollständigen Menschenopfer bildet, so steht diese auf sehr schwachen Füssen. Die Codsequenz aus dieser Behauptung wäre gerade die Verwerfung der Beschneidung unter allen Umständen. Die Vertreter dieser Lehre sollten auch den Muth haben, für die Abschaffung selbst dieses Ueberbleibsels der Menschenopfer einzutreten! Im Zusammenhänge mit dieser Lehre steht die Ableitung der Beschneidung von der öastration, als eines ״partiellen Menschenopfers“ unter welchem Ausdruck der Verfasser offenbar die verschiedenen Arten der Selbstverstümmelung zusammenfasst. Der Meister dieser Lehre, Bergmann3), sieht in der Beschneidung eine, durch die fortschreitende Cultur entstandene Milderung des ״Eunuchismus“ (Entmannung durch Entfernung oder Zerdrücken der Hoden), welcher wiederum eine Milderung der Castration (Entfernung des ganzen männlichen Gliedes, mit Hinwegnahme oder Belassung der Hoden) gewesen sein 8011. War die Castration das barbarische Siegeszeichen des Stärkeren, das Zeichen der Unterwerfung des Besiegten, so war der Eunuchismus gleichfalls *) ibid. S. 97. 2) ibid. Soite 203. 3) Bergmann F., Origine, signification et histoire de la castration, de l’eunucMsme et de la eirconcision. Palermo 1883.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.