Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 45 (1901)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Studien über die Beschneidung
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 440 (sequence 8)
- Language
- German
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440 Studien über die Beschneidung. dayon abgeleitet. Am spätesten dürfte unstreitig das Bild yon einer Beschneidung des Herzens entstanden sein. Jedoch es kommt noch ein Nachsatz: ״So sehen wir die Beschneidung im Dienste einer Culturaufgabe yon ethischer Bedeutung als Reform der partiellen und vollständigen Menschenopfer.“ ״Der Sohn des Israeliten wird beschnitten und der Sohn des Götzendieners wird dem Moloch geopfert“1). Also nicht ״eine nur dem Selbstopfer ähnliche Handlung“ wie es früher2) heisst, sondern eine Reform der Menschenopfer schlechtweg! Der Autor bleibt für diese horrende Be״ hauptung, welche sich auch bei A. Geiger3) vorfindet, die Beweisführung schuldig, als ob es sich um eine ausgemachte, über jeden Zweifel erhabene Thatsache handelte! Und dennoeh scheint der Verfasser einen leisen Zweifel gehegt zu haben, da er des so nahe liegenden Binwandes gedenkt, dass die Beschneidung ja doch auch neben den Menschenopfern vor kommt. Dieser sehr schwer wiegende Einwand gegen die Annähme, als sei die Beschneidung eine ״Reform der Menschenopfer“, wird mit der Bemerkung abgethan: ״Wo also die Beschneidung bereits existirte, aber nur neben den Gräueln der Heiden fortbestand, da war sie dem Nichts gleichgeachtet, woraus freilich hervorgellt, dass sie im Judenfchum nur durch die Durchgeistigung .... ihren Werth als Symbol und Besiegelung des Bundes erhalten habe“4). Wozu wurde eine heidnische Sitte der Selbstverstümmelung zum Symbol gemacht, wenn es erst einer besonderen ״Durchgeistigung“ bedurfte, damit diese ״Anlehnung an das Aeussere des heidnischen Brauches“ auf diesen selbst keine Rückwirkung ausübe5)? Dass eine solche Rückwirkung zu befürchten war, giebt also der Autor zu. Wir finden in der Beschneidung keine Spur von einem Opfer. Erst nach der vollzogenen Beschneiduog wurde ein Opfer gebracht. Weder -die Vorhaut selbst, noch auch das vergossene Blut kam je auf den Altar. Die abgeschnittene Vorhaut wird in den Staub geworfen, das ausgesogene Blut l) ibid. Seite 62, 6B. 2j ibicl, Seite 54. 3) Geiger A., Einleitung in die Allgemeine Wissenschaft des Judenthums, Berlin 1875. Seite 42. 4) Glassberg, a. a. 0. Seite 63. 5) ibid. S. 148.