Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 45 (1901)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Studien über die Beschneidung
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 439 (sequence 7)
- Language
- German
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Studien über die Beschneidung. 439 Diesem hervorragenden Werke wollen wir — nicht ohne Kritik — folgen. In dem 1. ״Ursprung und Wesen der Beschneidung״ betitelten Capitel befindet sich die nachfolgenäe Definition: ,,,Die Beschneidung ist, im strengsten Sinne ״genommen, ein durch die ältesten Ofienbarungsurkunden ״des Judentlmms befohlenes, durch die Tradition anerkanntes, ״sowie durch die G־esehichfce befestigtes Symbol des Glaubens ״an den einen einzigen Gott und der Zugehörigkeit zur Ge- ״meinschaft der Bekenner dieses Glaubens1״). Das ist ein Satz, der die Kritik nicht zu scheuen braucht und keinen Widerspruch verträgt. Anders verhält es sich jedoch mit dem grössten Theile des sonst in diesem Capitel Vorgebrachten. So heisst es dort2): ״Man führte auf israelitischer Seite einen ״Culturkampf״ im wahren Sinne des Wortes, und war man selbst genöthigt, ein bedeutsames Symbol an einen heidnischen Brauch anzuknüpfen, so betonte man doch stets und ständig den gewaltigen Unterschied zwischen den Endzwecken dieses Symbols und dem Greueldienst des heidnischen Aberglaubens״. Ja, wodurch war man denn aber dazu ״genöthigt״ an einen heidnischen Brauch ״anzuknüpfen״? Warum musste gerade dieser heidnische Brauch, diese Körperverstümmelung, zum Symbol erhoben werden? Etwa damit Gelegenheit geboten sei ״stets und ständig״ den Unterschied zwischen dieser Selbstverstümmelung und den anderen verbotenen Selbstverstümmelungen der Heiden zu betonen? Welcher Zusammenhang besteht denn zwischen dem Endzweck dieses Symbols und dem Symbol selbst? Wenn dem Verfasser die ״Herzensbeschneidung״ vorgeschwebt hat, so ist ihm das Bild als Zweck seines Gegen- Standes erschienen. Die ״Herzensbeschneidung״ ist eine vorzügliche Wendung, aber doch nichts weiter als ein übertragener Begriff, der — wie es in der Katur der Sache liegt — nicht eher entstanden sein kann, als bis es sich gezeigt hatte, dass manche Söhne des Bundes, trotz des Bundes- Zeichens am Leibe, ihren Gott nicht im Herzen trugen. Zur Zeit der Entstehung dieser Institution gab es nur eine Beschneidung, nämlich, die des männlichen Gliedes. Denn nur dieses hat eine Vorhaut und alle symbolischen Ausdrücke wie ״Vorhaut der Ohren, der Lippen, des Herzens״ sind ג) Glassberg a. a. 0. S. 52. 2) ibid. S. 62.