Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 45 (1901)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Studien über die Beschneidung
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 360 (sequence 8)
- Language
- German
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360 Studien über die Beschneidung, Bei denjenigen Völkerschaften nun, bei welchen die Beschneidung seit undenklichen Zeiten eingeführt ist, insbesondere bei den Negern Afrikas1), ist die Vorhaut meistens verdickt und verlängert und oft in dem Maasse übermässig entwickelt (hypertrophisch), dass hiedurch, so wie durch die meist gleichzeitig bestehende Verengung an der äusseren Oeffnung, der geschlechtliche Verkehr des Mannes erschwert und die Zeugungsfähigkeit beschränkt ist. Da die Vorhaut die Eichel (glans), das Endorgan der Begattung, nur im Säuglingsalter vollständig überzieht und in demselben Maasse sich erweitert und zurückzieht, als die Geschlechtsreife vorwärtsschreitet (dies gilt noch in erhöhtem Maasse für das innere .Epithelblatt, die Periahaut), da endlich beim Begattungsacte die Eichel ganz entblösst sein soll und unter normalen Verhältnissen auch ist, so brauchen wir nicht lange nachzudenken, um zu errathen, dass diejenigen, welche mit einer stark verdickten, verlängerten und an der Spitze verengten Vorhaut behaftet waren, sich derselben entledigten, weil sie diese Vorhaut als ein lästiges Kinderniss erkannten, das den Begattungsact erschwerte und die ■Zeugungsfähigkeit beeinträchtigte. Entzündungen, Wundsein und Schmerzen beim Uriniren sowohl als auch bei jeder Erection sind dabei unausweichliche Vorkommnisse. Schon früh mussten demnach also beschaffeneVolksstämme die primitivsten Formen der Bescbneidungsoperation erfinden, da bei ihnen Verklebungen und Verwachsungen der Vorhaut alltägliche Erscheinungen waren. Man half sich, wie man konnte, man dehnte und riss an der Vorhaut mit der Hand, nahm wohl auch einen spitzen scharfen Stein zu Hilfe, bis es gelang die äussere Oeffnung der Harnröhre freiznlegen, so dass die Harnentleerung, welche bis dahin behindert war, ungestört vor sich gehen konnte, bis es gelang die Eichel durchzuschieben und die Erection schmerzlos zu machen. Wenn wir erwägen, dass jeder Volksstamm darauf bedacht war, durch eine möglichst zahlreiche Nachkommenschaft die Macht des Stammes zu vermehren und andererseits von der Abnahme der Nachkommen das Aussterben des Stammes befürchten musste, so ist der Schluss gerecht־־ *) Pritsch G. Th., Die Eingebornen Südafrikas anatomisch und ethnographisch beschrieben., Breslau 1872, S. 110.