Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 45 (1901)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Studien über die Beschneidung
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 359 (sequence 7)
- Language
- German
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Studien über die Beschneidung. 359 sclmeidungsoperation — so verschiedenartig sie auch geübt wird — ist die Entblössung der Eichel; 2) es sind ausschliesslich Yölker der heissen Zone, bei welchen sie seit uralten Zeiten gebräuchlich ist; 3) es besteht eine gewisse Uebereinstimmung in Bezug auf die Lebensperiode, in welcher sie vo!״genommen wird. Die Beschneidungsoperation wird bei der Mehrzahl der dieser Bitte huldigenden Volksstämme im Beginne, im Verlaufe, oder zur Zeit der Vollendung der Geschlechtsreife vollzogen. Bei vielen Völkern ist sie eine unerlässliche Bedingung der Mannbarkeitserklärung und der Aufnahme in den Rang eines vollwerthigen Stammesgenossen. Bemerkenswerth ist dabei, dass die B. von der Geburt bis zum 18. Lebensjahre in jedem Alter vorgenommen wird, während sie nach dieser Zeit nirgends gebräuchlich ist, so dass zu der Zeit, da der Mann sich zu beweiben pflegt, die Operation überall — wo sie eingeführt ist — bereits vollzogen ist, welcher auffallende Umstand ganz deutlich darauf hinweist, dass die B. mit dem Geschlechtsleben, insbesondere mit dem ehelichen Leben, in einem gewissen Zusammenhänge steht. PI 0 s s1) gebührt das Verdienst, auf diesen Zusammenhang zuerst aufmerksam gemacht zu haben, wodurch für eine rationelle Erklärung des Ursprunges der B. die Bahn gewiesen ist. Wenn wir von denjenigen Volksstämmen absehen, welche die B. eingeführt haben, weil sie als Besiegte von ihren Unterdrückern dazu gezwungen wurden — oder weil sie sich dem herrschenden Volksstamme assimiliren wollten — oder endlich, weil sie etwa das Yolk, von welchem sie diese Sitte mit vielen anderen gelernt, als culturell höherstehend anerkannten; wenn wir also nur jene Stämme in Betracht ziehen, welche sie erfanden — denn diese kommen ausschliesslich in Betracht, — so müssen wir annehmen, da es sich um Nationen auf niedrieger Culturstufe, um Naturvölker handelt, dass sozusagen handgreifliche Motive sie dazu geführt haben müssen, dass die Natur selbst ihnen gewissermassen als Lehrmeister gedient, die Nothwendigkeit diese Massregel dictirt hat. ג) H. Pioss, Grescliichtliches u. Ethnologisches über Knabenbeschneidung. Deutsches Archiv f. Gresch. cl. Medizin, B. VIII.