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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1901-01-01 · Heft 4 · p. Seite 358

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
45 (1901)
Issue
Heft 4
Article
Studien über die Beschneidung
Date
1901-01-01
Page
Seite 358 (sequence 6)
Language
German
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358 Studien über die Besclmeidung. Sippe abgestelit hat, die Beschneidung bei sich und seinen Nachkommen als göttliches Gebot eingeführt hat, wie leicht kann sich da der Gedanke aufdrängen, dass zwischen Menschenopfer und Beschneidung ein Zusammenhang bestehen müsse! Und dennoch besteht kein solcher Zusammenhang. Die Beschneidung ist nicht eine ״Reform״, eine ״Milderung״ der Unsitte des Menschenopfers. Die Beschneidung ist überhaupt kein Opfer in dem gewöhnlichen Sinne dieses Wortes. Zwar tritt uns die Beschneidung bei manchen Völkern durch die damit verbundenen Ceremonieen als ein Opfer entgegen, das den Göttern dargebracht wird; doch dürfen die Ceremonieen, welche erst nachträglich mit dieser Operation verknüpft wurden, nicht für das Wesentliche an dieser Sitte angesehen werden, deren Ursprung und Entstehung sich ans Gründen der Zweckmässigkeit durchaus ungezwungen erklären lässt. Man hat ja im Alterthum jeden wichtigen Vorgang im Leben des Einzelnen, wie der Gesammtheit, mit Opferungen gefeiert, indem man Alles und Jedes mit den religiösen Begriffen und Anschauungen in Verbindung brachte, von welchen das ganze Denken und Fühlen derartig durchtränkt war, dass das religiöse Moment allenthalben vorherrschte. Was Wunder, wenn auch die Beschneidung, welcher ihre Anhänger überall eine grosse Bedeutung zuerkannten, als ein religiöses Mysterium aufgefasst und mit Opferungen gefeiert wurde. Und sollte sie sogar irgendwo wirklich als ein Opfer für die Gottheit aufgefasst worden sein, so haben wir dennoch das Recht anzunehmen, dass dort die Kenntnis der ursprünglichen Bedeutung der Beschneidung abhanden gekommen sei. Bis jetzt sind wir den Irrwegen gefolgt, auf welche uns falsche Spuren geleitet haben. Es ist Zeit, dass wir diejenigen Stellen aufsuchen, wo alle bisher verfolgten Spuren in einem Punkte Zusammentreffen. Die richtige Fährte muss dort beginnen. Was ist nun das Gemeinsame, das Charakteristische an der Beschneidungs-Operation hei den verschiedenen Völkern, welche dieser Sitte huldigen? I) Das Gemeinsame, das Charakteristische an der Be-

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