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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1901-01-01 · Heft 4 · p. Seite 357

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
45 (1901)
Issue
Heft 4
Article
Studien über die Beschneidung
Date
1901-01-01
Page
Seite 357 (sequence 5)
Language
German
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Studien über die Beschneidung. 357 Griechen und dem Römer ,war die Vorhaut nicht unrein. Der Mangel derselben war vielmehr eine Schande, da nur die mit einer Krankheit an diesem Körpertheil Behafteten, sich der Yorhaut zu entledigen gezwungen waren. Bei den öffentlichen Turnspielen war die nakte Eichel ein Gegenstand des Spottes. — So viel vorläufig. — Auf die richtige Interpretation der Stelle Exodus 17. 25, gehen wir unten näher ein. Aber nicht nur von Meyer, auch von mehreren anderen Autoren wird die Beschneidung als ein Opfer aufgefasst, das man den Göttern darbrachte, um sie guädig zu stimmen. Allerdings passt nun diese Annahme sehr wohl hinein in den Rahmen der Vorstellungen, welche sich der moderne Europäer vom Culturzustand unentwickelter Volks- Stämme gemeinhin gebildet hat. Denn was haben die alten Völker nicht alles gefchan, um sich die Gunst der gefürchteten Götter zu sichern und was verüben nicht heute noch manche wilde Volksstämme l Sie sind vor den ärgsten, verdammungswürdigsten Greuelthaten nicht zurückgeshreckt, wenn Priester und Regenmacher solche als gottgefällig hingestellt hatten. So wurden nicht nur die gefangenen Feinde den Göttern zu Ehre und Preis geschlachtet oder auf dem Scheiterhaufen verbrannt; sondern auch missliebige Männer des eigenen Volkes, denen man nachsagte, dass sie den Zorn der Götter heraufbeschworen, wurden buchstäblich geopfert. Ja, es gab Völker, bei welchen der Fanatismus in den Wahnwitz ausgeartet war, man müsse den Götzen zu Liebe die eigenen Kinder hinmorden. Die Beschneidung ein Blutopfer, eine Milderungd e s Menschenundnamentlichdes Kindes- Opfers1) — diese Erklärung mochte darum dem Bilde, das wir von den älteren Epochen der Culturgeschichte vor Augen haben, so angemessen erscheinen, dass man leicht geneigt war, sie zu acceptiren, zumal die Beschneidung auf diese Art eine Zwischenstation darstellen würde auf dem Wege, den die fortschreitende Cultur vom Menschenopfer bis zur Nächstenliebe zurückgelegt hat. Wenn wir nun noch dazu in der Bibel lesen, dass derselbe Abraham, welcher das Menschenopfer bei seiner L) Abr. G-eiger, Allg. Einleitung in die Wissensch, d, Judentli. Glassberg, Priedreich u. Andere.

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