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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1901-01-01 · Heft 4 · p. Seite 356

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
45 (1901)
Issue
Heft 4
Article
Studien über die Beschneidung
Date
1901-01-01
Page
Seite 356 (sequence 4)
Language
German
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356 Studien über die Besclmeidung. die folgende Mythe; Am Tage des Grausens (der Finsternis) dringt Set in Gestalt eines Ebers auf den Lichtstern ein und reisst dem Horus ein Auge aus, dieser wehrt sich und entmannt den Set; nun tritt Thot hinzu und füllt das Horus״ äuge, so dass es glänzt wie früher1). Diese angeführten Documente aus der altaegyptischen Litteratur protestiren selbst gegen die Aufstellung, dass die Castration je in Aegypten an Priestern oder Kriegern geübt worden sei. Sie wurde nicht einmal geduldet, geschweige denn geübt, und war, symbolisch genommen das Zeichen der Unschädlichkeit, der Feigheit, der Schwäche. So wird in den Hieroglyphen der zunehmende Mond als der feurige Stier mit der Ruthe abgebildet, während der abnehmende Mond mit dem eastrirten Ochsen verglichen wird. Wer je die Schriften des alten Israel gelesen hat, dem ist es überflüssig zu sagen, wie widersinnig diese Deutung der Beschneidungssitte ist. Castration und Beschneidung sind ihm nicht verschiedene Grade einer Verstümmelung, sondern so entgegengesetzte Begriffe wie abscheulich und heilig, wie Gotteslästerung und Frömmigkeit. Es war sogar verboten, T hie re zu castriren. Der Aegyptologe Meyer hat nun in seine ״Geschichte des alten Aegyptens“ folgende Erklärung auf genommen : ,,Sie (die Beschneidung) ist ein der Gottheit vom eigenen Blute gebrachtes Opfer und ist wohl aus einem Hoc 11zeits brauch erwachsen: der Ritus wird ursprünglich am Bräutigam (!) vollzogen, damit er rein in die Ehe trete . . . So erklärt Wellhausen2) die Sitte wohl richtig, da der Karne des Bräutigams und Schwiegersohnes im Hebräischen (?) und Arabischen von der Wurzel chatana beschneiden abgeleitet ist, vgl. Exodus IV. 25.“ Die bekannte Bibelstelle und die Etymologie des Wortes Chathan mussten herhalten, um diese Version zu rechtfertigen. Also ״ein Hochzeitsbrauch“ war die Beschneidung und ihr Zweck, dass der Bräutigam ״rein in die Ehe trete “ (!) Das ist schon darum undenkbar, weil die als selbstverständlich hingestellte Voraussetzung, dass die Vorhaut den Besitzer unrein mache, jedes Anhaltspunktes entbehrt. Dem ג) Meyer, a. a. 0 S. 73. 2) Wellhausen, Prolegomena z. Gesell. Israels, 2. Aufl,,"S. 360.

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