Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 45 (1901)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Studien über die Beschneidung
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 355 (sequence 3)
- Language
- German
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Studien ־über die Bes chn ei düng. 355 vom Kampfe heimzubringen. — In dem grossen Siegesbericht des Merneptah, des Nachfolgers Khamses II, in Karnak, ist folgende Stelle enthalten: ״Der König schickte seine gesammte Streitmacht gegen die Feinde und in 6״stündiger Schlacht erfocht dieselbe . . . bei Prosopis einen glänzenden Sieg. An 10.000 Leichen, denen man als Siegeszeichen die Hände, theils auch die Geschlechtstheile ab hieb, deckten das Schlachtfeld“ (1230 v. Chr.)1)״ Es mag diese barbarische Sitte sich bei manchen wilden Yolkssiämmen bis in die neuere Zeit erhalten haben; keineswegs kann jedoch dieser Kriegsbrauch die Veranlassung zur Einführung der allgemeinen Beschneidungs pflicht gewesen sein. Eigenartig ist die Erklärung, welche Meyer in seiner Geschichte des Alterthums dafür gibt, und welche Bergmann2) verficht, dass die B. eine Milderung der Castration daratelle, aus welcher sie hervorgegangen sei. Diese Annähme ist von Ebers widerlegt und von Meyer selbst aufgegeben worden3). In der That findet sich keine Spur davon, dass bei den alten Aegyptern je die Entmannung geübt worden wäre, wenn man nicht etwa die in einem Festkalender des Edfu־ tempels verzeichnete Stelle heranziehen will. Sie lautet: ״Monat Epiphi, Tag 1. Es wird entmannt Set (Typhon) an diesem Tage, man nimmt seinen Phallus und seine Hoden von ihm, dabei soll singen der Vorsteher des Gesanges, welcher es ist, seine Harfe in seiner Hand, ausführend das Schlagen der Harfe regelmässig“4). Diese Stelle hat nach Bündchen folgenden Sinn: Am 1. Epiphi (Monat der eintretenden Nilschwelle) wurde an dem Set-Typhon, wahrscheinlich an einer Statue desselben aus Wachs in symbolischer Handlung die Entmannung vorgenommen, wodurch ausgedrückt werden sollte, dass er, der böse Set-Typhon der Wüste, der Feind des Osiris-Nil, durch die Anschwellung des Stromes unschädlich gemacht sei5). Hieher gehört auch 1J MeyerEd. Geschichte des alten Aegyptens (Onken). Berlin, 1887. S. 307, 2) Bergmann, Origine, signification et histoire de la castration, de l’eanuchisme et de la circoncision. Palermo, 1883. 3) Meyer a. a. 0. S. 41, Anm. 1. 4) Brugsch bei Diimichen a. a. 0. B) Bündchen, Geographie des alten Aegyptens (Onken) Berl. 1887, S. 182. 23*