Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1901-01-01 · Heft 4 · p. Seite 354

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
45 (1901)
Issue
Heft 4
Article
Studien über die Beschneidung
Date
1901-01-01
Page
Seite 354 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2829132-2829753-2829758-2883514--30824-2883529
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

354 Studien über die Beschneidung. gleichen Gedanken, als er die B. als Standesabzeichen der künftigen Krieger zu erklären suchte. ”Wenn er aber dabei die Ansicht ausspricht, dass sie von den Kriegern verlangt worden sei, weil sie hofften, dass nach ihrem Tode sie dadurch von den Feinden unterschieden und vor der Gefahr befreit werden konnten, dass ihre Geschlechtstheile als Siegestrophäen ver־ wendet würden, so lässt sich dies doch nur für ganz bestimmte Verhältnisse behaupten“. So weit Puschmann. Es ist ja wahr, dass ״bei den Naturvölkern jeder Mann ein Krieger und zum Kampfe gegen die Feinde, zur Vertheidigung der Familie und des Eigenthums berufen ist,“ und dass darum, wenn auch nicht allenthalben ״der Eintritt in die Mannbarkeit gleichbedeutend ist mit der Aufnahme in die Reihen der Krieger“. — Allein dies alles ist nicht ausreichend, um uns das ursprüngliche Motiv der B. klar zu machen. Die Annahme, dass sie dazu dienen soll, die Jünglinge an das mannhafte Ertragen körperlicher Schmerzen zu gewohnen, ist darauf zurückzuführen, dass bei manchen Stämmen neben anderen Proben der Tapferkeit — wozu z. B. das lautlose Ertragen von Geisselungen u> dgl. gehört, — welche die Jünglinge bestehen müssen, bevor sie in die Reihen der Krieger aufgenommen werden, auch bei der Vornahme der B. daranf geachtet wird, dass sie sich wie tapfere Männer benehmen. Jedoch die Abhärtung steht in gar keinem logisehen Causalnexus zur Beschneidung selbst. Ebensowenig kann die B. bloss dazu erfunden worden sein, um als ״äusseres Merkmal der bevorstehenden Gesehlechtsreife“ oder als ״Weiheact für den Eintritt in die Mannbarkeit“ zu dienen. Die Erklärung v. Autenrieths, dass die B. als Ab- Zeichen der Krieger aufzufassen sei — die Beschneidüng aus Furcht vor dem Beschnittenwerden — ist geistreich, aber nicht stichhaltig. Wohl erzählt uns die Bibel1) von den 200 Vorhäuten der erschlagenen Philister, welche David als Beweis, dass er an den Feinden des Königs Saul Rache genommen habe, von einem Ausfälle heimbringt, um durch diese tapfere That zu beweisen, dass er würdig sei des Königs Eidam zu werden. Auch bei den alten Aegyptern war es Brauch, nicht nur Hände, sondern auch männliche Glieder als Siegeszeichen 13 I Regum C. XYJII. 27,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.