Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 45 (1901)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Das Losen im Tempel zu Jerusalem
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 293 (sequence 2)
- Language
- German
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Das Losen (פייס) im Tempel zu Jerusalem. 293 Diese Behauptung dürfte auch in dem hier folgenden Versuch׳'ihre Bestätigung finden, indem wir nicht nur dessen Anregung zumeist der Leetüre des Darke ha-Mischna verdanken, sondern durch diese auch auf den — wie wir hoffen — richtigen Weg geleitet wurden: In Mischna Joma II, 1—2 lesen wir : בראשונה כל מי שרוצה לתרום את המזבח תורם ובזמן שהן מרובין וציץ ועולין בכבש וכל 'הקודם את חברו בארבע אמות זכה ואם היו שניהם שדן הממונה אמר להם הצביעו ובו׳ מעשה שהיו שניהם שדן ורצין ועולין בכבש ודחף אחד מהן ״ *את חברו ונפל ונשברה רגלו וכרEhemals durfte jeder [der diensthabenden Priester] die Asche vom Altar hinwegheben; waren ihrer viele, so liefen sie die Treppe hinan, und wer dem anderen bis vier Ellen zum Altar vorauskam, erhielt das Recht; waren zwei gleichzeitig hier, da sagte zu ihnen |= zu allen Anwesenden] der Vorgesetzte: Strecket die Finger yor (= loset)!1) ... . . Einmal liefen zwei um die Wette die Treppe hinan, und einer stiess den anderen, so dass er fiel und ein Bein brach. Als man sah, dass sie [die Priester] dadurch Gefahren ausgesetzt wären, verordnete man, dass dieselben den Altar nur nach dem Lose reinigen sollen. Viermal [täglich] wurde gelost, und dieses [das ebengenannte] war das erste Losen2״). Es wird uns also in dieser Mischna klar auseinandergesetzt, dass infolge eines Unglücbsfalls die ausnahmslose Verlosung der Altarreiniguiig angeordnet worden ist, während vorher dieselbe nur dann angewendet wurde, wenn das Wettlaufen zum Altar die gewünschte Entscheidung nicht brachte, indem zwei Priester nämlich gleichzeitig an’s Ziel gelangt waren. Dagegen ist hier — und das wollen wir jetzt schon iesthalten — von einer durch den genannten x) Das Losen (פייס) geschah in folgender Weise: Die Priester stellten sich in eirem Kreise auf, und der älteste unter ihnen nannte eine beliebige Zahl, welche jedoch die der anwesenden Priester übertreffen musste. Hieraufham der Vorgesetzte, nahm einem der Umstebenden die Kopfbedeckung ab, um damit anzuzeigen, dass von diesem die Zählung zu beginnen habe, und forderte sie auf, die Finger vorzustrecken. Derjenige, bei welchem die Zahl endigte, war nun für den betreffenden Dienst bestimmt. Vgl. Joma bab. 25 a; Tosefta (ed. Zuckermandel) Jomal, 10 (181, 13) und Sukka IV, 16 (199,24). Die Annahme, dass die Zahl vom Vorgesetzten genannt wurde (so Levy s. צבע), ist* falseh. Vgl. Aiuch s. v., Maimonides-Comm. und תוספות ישנים z. St. 2) Die erste Verlosung fand im ״Brandhause (בית המויזד)“ statt (vgl. Tamid I, 2); dagegen wurden die anderen Dienstgeschäfte in der Quaderhalle (לשכת הגזית) verlost (das. II, 5; III, 1; V, 2).