Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 45 (1901)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Ehe im biblischen Alterthum
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 283 (sequence 4)
- Language
- German
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Die Ehe im biblischen Alterthum 283 lictier und reiner Herzens-Liebe sich, vollkommen deckt; wir können uns einstweilen auf das sprachliche Moment beschränken und müssen dennoch constatiren, dass ״sich nehmen“ eine weit intensivere Aneignung bedeutet als das blosse ״nehmen“. Das von der Bibel aufgestellte Ideal der Ehe besteht darin, dass Mann und Frau in einander aufgehen, dass sie mit ihrem Denken, Fühlen und Empfinden sich ergänzen und zu einem Wesen werden. So lange die Weltanschauung und Lebensauffassung bei allen Menschen dieselben waren, brauchte man nicht lange nach einer passenden Lebensgefährtin zu suchen1), aber in dem Augenblick, mit welchem Abraham durch seinen monotheistischen Glauben zu der ihn umgebenden polytheistischen Welt in Gegensatz trat, änderte sich die Sachlage wesentlieh. Abraham muss seinem Sohne Isaak aus der eigenen Familie eine Frau geben, weil zwischen seinem Nachkommen und einer Heidin von einer wirklichen Ehe keine Rede sein kann. Esau freilich, der auf die Traditionen seines Grossvaters nicht viel hält, heirathet wohl erst, wie sein Vater, mit vierzig Jahren, zwei Chithetiterinnen, aber in den Augen seiner Eltern sind dies blosse Mischehen; darum berichtet die Schrift2) ויהי עשו בן ארבעים שנה ו י ק ח א ש ה את יהודית בת בארי החתי ואת בשמת בת אילן החוזי ותהיין מרת רוח ליצהלן ולרבקה.. Damit beginnen die unheilvollen Wirren im Hause des zweiten Patriarchen. Rebekka, die bisher mit Recht stolz darauf sein konnte, dass sie auserkoren war, den Geist Abraham’s aufseine Nachkommen zu verpflanzen, gesteht es auch ihrem Gatten nachträglich ein, warum sie seinen Plan, Esau zu segnen, vereitelt hat. Gen. 27, 46 enthüllt uns den ganzen Unmuth der in ihrer Würde verletzten Gattin; nicht weil sie Jakob liebt, sondern weil sie in wahrem Sinne des Wortes die Frau Isaak’s ist, konnte sie es nicht dulden, dass Esau, der Gatte chithetitischer Frauen den Segen Abraham’s erhalte; auch für Jakob kann ja dieser. Segen erst dann eine Bedeutung erlangen, Wenn er sich ein Weib nimmt. Isaak würdigt ganz und voll die Vorwürfe seiner Frau; er lässt Jakob zu sich!) Die zwei Frauen, welche Lemech I ge heirathet hatte, waren naeh jeder Seite hin seiner würdig, darum erzählt die Schrift (Gen. 4, 19) ויקה לו למך שתי נשים; dasselbe gilt von den schönen Töchtern, welche die בני האל הים sich erkoren, darum heisst es auch von diesen (Gen. 6, 2b ויקהל להם נשים מכל אשר בחרו. 2) Gen. 26, 34. 35.