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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1901-01-01 · Heft 3 · p. Seite 282

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
45 (1901)
Issue
Heft 3
Article
Die Ehe im biblischen Alterthum
Date
1901-01-01
Page
Seite 282 (sequence 3)
Language
German
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282 Die Ehe im biblischen Alterthum. bloss die Bestimmung, dass der Mann die geschiedene Frau, nachdem sie einem Andern an gehört hat, nicht mehr zurücknehmen dürfe; die Thatsache, dass der Gatte die ihm, gleichviel aus welchem Grunde, verhasst gewordene Frau entlassen oder fortschicken kann, wird als Etwas hingestellt, das durchaus nicht als gesetzwidrig gilt. Die Schammaiten freilich lösen den. Widerspruch dadurch, dass sie die Ehe als eine unlösbare bezeichnen; denn das Recht, die Frau fortzuschicken, welches sie dem Gatten von der Thorah nur für den Fall einräumen lassen, dass die Frau dem Manne die Treue gebrochen, ist ein äusserst problematisches, insofern es ja, bei Licht betrachtet, die Frau ist, welche die Ehe lost, indem sie dieselbe bricht. Die sittlich gesunkene Frau fortzuschicken ist kein Recht, sondern die Pflicht des Mannes. Ich habe es nie begreifen können, wie die Schammaiten ihren Standpunkt mit Deut. 22, 13—19 und 28—29 in Einklang bringen konnten. Wenn der Mann aus freien Stücken die Ehe nicht zu lösen vermag, wozu brauchte dann die Thorah die Bestimmung zu treffen, dass der מוציא שם רע ומאנס der verläumderische Ehemann und der Vergewaltiger einer Jungfrau, der dieselbe heirathen muss, das Recht, die Frau fortzuschicken, verwirkt hat? Dieses Recht wurde ja auch einem andern Ehemann nicht eingeräumt; und die Pflicht, die untreue Frau zu entlassen, ist ja für den מוציא שם רע ומאנס genau dieselbe, wie für jeden Andern. Schon aus dieser einen Erwägüng heraus muss man den Standpunkt der Hilleliten als den richtigen bezeichnen; aber wenn der Mann nach Belieben seiner Frau den Scheidebrief zustellen kann, wie ist dann der Widerspruch zwischen der Thorah und den Propheten zu lösen? Der Widerspruch lost sich von selbst, sobald wir die Ausdrucksweise der Bibel an allen jenen Stellen, an welchen vom Heirathen die Rede ist, näher ins Auge fassen. So gross auch der Zeitraum ist, innerhalb dessen die biblisehen Schriften entstanden sind, finden wir doch in der ganzen Bibel von Anfang bis zu Ende denselben Sprachgebrauch, welcher den ethisch hochbedeutsamen Unter* schied hervorhebt zwischen Demjenigen, der ein Weib nimmt, und Demjenigen, der sich ein Weib nimmt. Wir wollen es vor der Hand dahingestellt sein lassen, ob diese Unterscheidung mit der Distinction zwischen sinn-

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