Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 45 (1901)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Ehe im biblischen Alterthum
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 281 (sequence 2)
- Language
- German
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Die Ehe im -biblischen Altert 11 um. 281 Ausnahmen wird uns jedes Mal in anschaulicher Weise gezeigt, dass die Polygamie nicht durch die freie Wahl des Mannes, sondern durch die zwingende Macht der Verhältnisse bedingt war* die Könige, bei welchen der Harem mit zu den Abzeichen oberhoheitlicher Macht gehörte, kommen hier nur insoweit in Betracht, als die Thorah, welche weit davon entfernt ist, die Monogamie zum Gesetze zu erheben, den! Könige verbietet, zu viele Frauen sich zu halten. Den historischen Beweis jedoch für die Thatsache, dass bei dem israelitischen Volke die Monogamie allgemein vorherrschte, liefern die Propheten, welche die Auserwählt׳־ heit Israels zum Bundesvolke Gottes mit ganz besonderer Vorliebe unter dem Bilde der Ehe schildern1). Aber wenn Gott sein einziges Volk nur verstösst, nachdem es von ihm abgefallen, genau so wie der Gatte die Gattin, nach״ dem sie ihm die Treue gebrochen; wenn es nur an dem israelitischen Volke liegt, dass das Bündniss zwischen ihm und seinem Gotte durch Nichts gelöst werde, dann müssten wir ja3 so das Bild der Propheten kein hinkendes und schiefes sein soll, mit Folgerichtigkeit annehmen, dass, auch die monogamische Ehe eine unlösbare sei? Und in Wirklichkeit tritt uns zwischen der Art und Weise, wie die Propheten reden, und einzelnen eherechtlichen Bestimmungen der Thorah ein crasser und greller Widerspruch entgegen. Maleachi spricht es mit zwei Worten aus2), שנא שלח dass Gott die Entlassung der treuen Gattin hasst, und doch scheint andererseits der Pentateuch die der Willkür des Mannes anheimgegebene Ehescheidung als etwas Selbstverständliches vorauszusetzen. Deut. 24, 1 — 4 enthält keineswegs ein neues Gesetz über die Ehescheidung, sondern wird, sind nur H-agar undKeturah zu verstehen. Tgl. I Chr. 1, 32. Auch Elkanah hatte ganz gewiss Anfangs nur eine Frau gehabt; erst nach■■ dem Hannah’s "Unfruchtbarkeit zu Tage getreten war, hatte er die Peninnali geheirathet. Mit den Worten I. Sam. 1,5 b בי את חנה אהב והי סגד רחמה will der hi bl. Erzähler nicht bloss die Bevorzugung der Hannah seitens ihres Mannes begründen, sondern auch die polygamische Ehe des Elkanah entschuldigen. Ob Kaleb in Wirklichkeit zwei Frauen nebeneinander gehabt, ist mehr als zweifelhaft, vgl w. u.; auch die zwei Kebsweiber, von denen I Chr. 2, 46. 48 gesprochen wird, scheinen einander gefolgt zu sein. ג) Ygl. Jes. 54,5.6. 62,5. Je1\ 3, 1 ff. Ez. 16, 8. 9. Hos, 2, 4. 18, 21. 22, 3, 1 ff. Joel 1, 8 Amos 3, 1. 2) 3, 16, vgl. besonders v. 14.