Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 45 (1901)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Frankels Einleitung in die Mischna
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 279 (sequence 18)
- Language
- German
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Die Ehe im biblischen Alterthum. 279 dieser Thatsache dem in lichten Gefilden weilenden Geiste Frankens zu dessen 100. Geburtstage eine wirkliche Huldigung darbringen, das ist allerdings eine andere Frage. Er wollte ja mit seinen Arbeiten und Forschungen bloss das Fundament zu dem, wie er hoffte, hochragenden Bau der talmudischen Wissenschaft gelegt haben, er betrachtete auch seine Grundlinien des mosaisch-talmudischen Ehe״ rechts bloss als den Grundstein des neuen Gebäudes, zu dessen Errichtung seine Schiller in erster Reihe berufen wären. Darum glaube ich meine tiefe Dankbarkeit gegen den verewigten Meister nicht besser bekunden zu können, als indem ich hier einen, wenn auch nur sehr bescheidenen, Beitrag zum mosaischen Eherecht liefere. Der Mensch bedarf des Menschen, um ein Mensch zu sein; das ist eine These, die seit Aristoteles mit Recht als der oberste Grundsatz einer jeden Gesellschaftslehre angesehen wird. Mit noch grösserem Rechte können wir die These, der Mensch bedarf des Weibes, um ein Mensch zu sein, als den obersten Grundsatz der Sittlichkeitslehre hinstellen. Das ist denn auch der Standpunkt, den die Bibel hinsichtlich der Ehe gleich auf dem ersten Blatte einnimmt. Nicht damit eine Familie gegründet werde, nicht damit Adam Nachkommen erhalte, sondern um seiner selbst willen, wird die Eva erschaffen. ״Gott der Ewige sprach, es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei, ich will ihm eine Gehilfin machen, die ihm entspricht“. Adam soll ein sittliches Wesen sein; dazu bedarf er einer Genossin. Die kurze und knappe Schilderung der Bibel, wie und auf weiche Weise Adam diese Genossin erhalten hat, ist nicht allein die poetischste Verherrlichung des Weibes in der ganzen Weltliteratur, sondern auch die denkbar entschiedenste Zurückweisung der Annahme, dass der Mensch vom Affen abstamme. Gleichsam auf der Suche nach einer Genossin für den ersten Menschen, führt ihm Gott alle erschaffenen Thiere vor, ״um zu sehen, wie er sie benennen werde“; aber unter allen Thieren fand der Schöpfer kein einziges, das er zur geeigneten Gehilfin für den Menschen hätte umbilden und weiterentwickeln können. Nicht der Mann, sondern das Weib ist das vollkommenste Geschöpf, das aus Gottes Schöpferhand hervorgegangen; denn Eva ist nicht wie Adam, ein Gebilde aus dem Staub der Erde,