Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 45 (1901)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Frankels Einleitung in die Mischna
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 274 (sequence 13)
- Language
- German
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274 Frankels Einleitung in die Misehna. von einer fertigen Tradition vom Sinai her im buclistäbliebsten Sinne als ein unantastbarer Glaubenssatz. Die Fort» pflanzung der Tradition, so glaubten sie, sei durch Inspiration geschehen, und die Gelehrten seien gleichsam nur die heiligen Gefässe gewesen, durch welche der uralte göttliche Inhalt geflossen. Sie verschanzten sich, wie Beer es ausdrückt (Allg. Zeit d. J. 1861. Beilg. Nr. 6), hinter dem Rufe ״göttliche Offenbarung“, ״göttliche Offenbarung“. Nun klagten sie Frankel, der ihrer Meinung nicht beipflichtete, heftig an und leiteten gegen ihn eine auf drei Anklagepuncte hinaiislaufende Untersuchung ein. Sie sagten, er verführe seine Jünger, indem er lehre, dass a) die Verordnungen, b) die Schrifterklärungen und c) die Deutungsregeln nicht alle unmittelbar vom Sinai herstammen*, oder auch anders formuliert: Frankel lehre, die Interpretation des Gesetzes sei nicht unmittelbar göttlichen Ursprunges sondern menschliche Gedankenoperation. — Die Kritik dieser Gegner erstreckte sich also gar nicht weiter auf den Inhalt des Buches sondern auf die in den ersten Seiten aufgestellten Behauptungen über die Entstehung der Tradition; ״sie berührten“, wie Landau sagt, ״gar nicht das Wesen des gelehrten Werkes, sie griffen vielmehr einige einleitende Sätze in missverstandener Auffassung auf, um das Ganze zu verdammen.“ Zunächst dachten sie wohl, Frankel zu einem Widerruf zu bewegen, wie dies seinerzeit in Ungarn den Gegnern Chorins gelungen war. Frankel gab nun zwar im Aprilheft der Monatsschrift 1861 eine Erklärung ah, aber nur eine solche, wie er sie seiner wissenschaftlichen Ueberzeugung nach geben konnte. Die Tradition, sagt er, im allgemeinen habe er niemals negiert; aber sie im Sinne derjeuigen aufzufassen, denen jede freie Forschung verpönt sei, das vermöge er nicht. Diese Erklärung konute den An» greifen! natürlich nicht genügen. Der Kampf dauerte fast ein Jahr. Um sich eine Yorstellung von der Heftigkeit desselben zu machen, seien zwei Aeusserungen von Gegnern und Anhängern angeführt. Im März 1861 schreibt Hirsch: ״Sofort im Januar und von da an Februar und März hindurch brach eine wilde Jagd wider uns los, voran die jungen Hörer, ins Horn stossende Jäger von der Elbe hinterdrein, und auf deren Hailoh eilten von der Seine und von der Elbe, vom Main und der Theiss, von der Leine und der Innerste, die Genossen herbei: ״schlagt den Hirsch