Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 45 (1901)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Frankels Einleitung in die Mischna
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 271 (sequence 10)
- Language
- German
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Frankeis Einleitung in die Mischna. 271 dunkler Mischnas zu den ausnahmsweisen Leistungen der babylonischen Gemara gehört. Dasselbe gilt von dem Yerhältnisse der Gemara zu den Boraitas.44 (Löw ges. Schriften I, Seite 269 u. 251) — Fern von einem harten allgemeinen Verdict über die Babylonier hält aber doch auch Frankel die unabhängige, wissenschaftliche Mischnaforschung für berechtigt. Bei der Aufstellung der 45 Grundsätze (Cap. IV.) sagt er: Man muss nicht immer die Mischna bloss durch die Brille, der Gemara betrachten. Diese amoräische Ent- Wickelung war und ist allerdings für die JHalacha massgebend; wenn wir aber die Mischna für sich studieren, so ist es gestattet, einen eigenen selbstständigen Weg zu wandeln.44 Ausführlicher sagt er im Vorworte : ״Die wahrhaft grossen Meister der Mischnaerkläruug schöpften aus allen nur erreichbaren Quellen des Schriftthums, und das ist die einzig richtige, mustergiltige Methode. Zunächst muss man die Mischna an sich betrachten, sich in ihr Wesen versenken, sie aus sich selbst und aus dem Zusammenhänge zu yerstehen suchen; dann sind die tannäischen Parallel quellen zur Vergleichung heranzuziehen, alsdann erst die Ausführungen der beiden Ge mären zu beachten. Das ist die richtige Thüre, um in das Mischnagebäude glücklich hineinzukommen. Wer anders wandelt, geht fehl; er will durch das Fenster ins Zimmer hinein springen und ist dann selbst daran schuld, wenn er Schaden nimmt oder sich nutzlos abmüht. Schon Maimonides, unser grosses Vorbild, hat solches seiner Zeit auseinandergesetzt und betont, und doch könnten viele noch jetzt seine Mahnung beachten, selbst solche, die sich eoasig und eifrig mit dem Talmudstudium beschäftigen. Durch eine richtige Methode würde ihr Beginnen viel ergiebiger und viel erspiiesslicher sich gestalten.“ 7. Wie stellt sich also nun Frankel zu den nach dem babylonisch -amoräischen Commentar gefolgerten gesetzlichen Bestimmungen da, wo die neue Erklärung von der amoräischen abweicht? — Die äusserste praktische Consequenz in dieser Beziehung fordert Schorr, besonders in seiner Polemik gegen Pineles. Er verlangt, dass, wo die abweichende, selbstständige Erklärung sich als die einfachere, richtigere erweist, man nicht nur die amoräische Erklärung aufgeben, sondern auch der amoräischen Bestimmung nicht mehr beipflichten solle, und nur dieses