Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 45 (1901)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Frankels Einleitung in die Mischna
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 270 (sequence 9)
- Language
- German
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Frankels Einleitung in die’Mischna. 2 TO Abfassung der Misch 11a? War die Mischna bereits von Rabbi geschrieben und erhielt sie sich auch schriftlich:, oder geschah die Verarbeitung und Erhaltung derselben nur mündlich? — Bekanntlich ist dies bereits ein Streitpunkt der spanischen und provengalischen Gelehrten einerseits, und der Nordfranzosen andererseits, so dass sogar das bekannte RGA des Gaon Scherira von diesen abweichenden Ansichten betroffen wurde, indem die nordfranzösischen Recensionen desselben auch die leiseste Erwähnung einer schriftlichen Abfassung sorgfältig vermieden. Nach Frankels Behauptung, dass in Rabbis Mischna ältere Sammlungen organisch und systematisch bearbeitet worden sind, ist die auch in Folge anderer Gründe annehmbare schriftliche Abfassung der Mischna umso wahrscheinlicher; andererseits aber wird das Halachaschreibeverbot von den ersten Amoräern aufs Schärfste betont. Frankel sucht auch hier einen einleuchtenden Ausweg. Er neigt der Ansicht zu, dass die Mischna sowohl als die Boraitoth geschrieben waren, jedoch nicht für öffentlichen, sondern für sehr eingeschränkten, privaten Gebrauch. Die traditionelle Lehre blieb vornehmlich eine münd־ liehe; die Schüler erfahren den Stoff aus dem Munde des Lehrers und die Verbreitung dieses Wissens geschieht hauptsächlich durch mündliche Mittheilung. Es gab wohl hie und da in den Lehrhäusern Abschriften und Notizen, in die man manchmal Einsicht nehmen konnte; doch wurden diese schriftlichen Abfassungen geheim gehalten, so dass im allgemeinen das Halachaschreibeverbot gewahrt blieb. 6. Was sagt Frankel über die selbständige Erklärungsweise der Mischna, wobei der Sinn unabhängig und oft abweichend von der herkömmlichen speciell babylonischen Auffassung eruiert wird? Den äussersten conservativen Standpunkt zu dieser Frage nimmt S. R. Hirsch ein. Er hält es für einen ״Hochmuth, die Mischna aus sich selbst und nicht aus der Interpretation der Amoraim zu erläutern“; ״was Rabina und R. Aschi über die Mischna nicht wussten, das, so meint er, dürfen auch wir nicht wissen,“ (Jeschuran 1861). Den äussersten entgegengesetzten radicalen Standpunkt zu dieser Frage nimmt Low ein, und geht darin noch über Schorr hinaus. Er sagt: ״Schorr behandelt die gemaristischen Irrthümer in der Mischnaerklärung noch immer als Ausnahmen, während in Wirklichkeit die richtige Erklärung