Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 45 (1901)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Frankels Einleitung in die Mischna
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 264 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2829132-2829753-2829757-2883323--30721-2883415- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
264 Frankels Einleitung in die Misehna. talmudischen Meere umhersegeln wollten, glaubten Andere neue Wege erschlossen, werthvolle Entdeckungen machen zu können; während die Einen den amoräischen Misehnacommentar für den einzig richtigen hielten, wollten Andere durch die vergleichende Kritik selbstständige, einfachere Lösungen finden und manche sogar daraufhin die religionsgesetzlichen Bestimmungen ändern; während die Einen in Bezug auf die richtige Mischnaerklämng dem Babylonier nach wie vor den Vorzug gaben, zogen Andere den bescheidenen Jerusalemer ans Licht und wollten diesem so lange stiefmütterlich behandelten Kinde der Misehna die bisherige Zurücksetzung durch besondere Auszeichnung und Hingebung vergelten. Im Vordergründe der damaligen religiösen Strömungen und dieser hochgehenden Talmudbewegung, als massgebender Factor derselben, stand — durch seine Steilung, sein Wissen und seinen Charakter auch von den ehrlichen Gegnern hochgeachtet — neben Anderen namentlich Zacharias Frankel und sein Werk Darkhe ha-Mischna (Hodegetica in Mischnam), welches im sechzigsten Lebensjahre des Verfassers, im Jahre 1859 in Leipzig erschienen ist, bildet einen Markstein in der Gestaltung des Miscbnastudiums und in der Beantwortung oberwähnter Fragen. Es möge nun Einiges über Form, Inhalt und Bedeutung des genannten Werkes folgen. I. Für die äussere Form des Buches ist zunächst bemerkenswert^ dass es das erste grössere Werk ist, welches Frankel in hebräischer Sprache veröffentlicht hat. Doch ist es darum keineswegs ein Erstlingswerk, sondern vielmehr durch einen in seiner Weise mustergiltigen Stil ausgezeichnet. Es ist nicht das mühsame Machwerk eines bloss Bibelkundigen, dem der reiche neuhebräische Sprachschatz nicht zur Verfügung steht, auch nicht eine ungeniessbare Mischung, wie sie oft durch übermässigen Gebrauch unklarer taJmudischer Wendungen entsteht; — Frankel handhabt die hebräische Gelehrtensprache nicht wie ein Lehrling, sondern wie ein Meister. Bald erhebt er sich zu kühnem Schwünge, um die Begeisterung für Glauben und Lehre zu künden, bald lässt er uns in ruhigem Erzählertone den historischen Hintergrund der litterarischen Epochen erkennen, bald spiegelt er in breitem Strome vollendete