Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 45 (1901)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Zacharias Frankel
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 252 (sequence 10)
- Language
- German
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252 Zacharias Frankel. Aon ihm und über ihn, richtig mit der Religion, nur wollten sie die Schwingen der Zeit lähmen, wenigstens nicht mit ihr sich erheben: sie scheiterten mit ihrem Versuche und viel des Guten ging verloren. Ach! gibt es einen grösseren Verlust als den der Jugend? Und Sie wissen, theurer Freund! dass die Rabbiner dieses göttliche Amt sich aus den Händen winden Hessen, nicht bedachten, dass sie auf diese Weise ihre heiligste Pflicht hintansetzen. — Darum war und ist stets mein Augenmerk auf die Jugend gerichtet, in ihr beginnt mein Wirken, und in ihr ist auch mein vorzüglichstes Ziel.“ Das in den letzten Zeilen ausgedrückte Streben Frankels fand erst seinen würdigen Gegenstand und seine volle Befriedigung in dem Breslauer jüd.-theolog. Seminar. Drei viertel Jahr nach Eröffnung desselben, am Rüsttage des Wochenfestes des Jahres 1855 schreibt der bereits dem Greisenalter nahe Meister mit jugendlicher Begeisterung seinem Freunde Dr. Beer: ״Ich lebe meinem Kreise und fühle mich in ihm sehr gehoben. Es sind wieder mehrere treffliche junge Menschen eingetreten; und der frische lebendige Eifer, der sich vorzüglich für die theologischen Studien kundgibt, ist erfreulich. Die das Seminar besuchenden jungen Leute erblicken, obschon mehrere von ihnen die Universität besuchen, ihren eigentlichen Ruhm darin, in den jüdischen Studien hervor« zuragen; das so lange vernachlässigte und verachtete Fach, worüber manche trübe Gedanken in Ihnen und in mir oft aufstiegen, kommt durch Gottes Hülfe wieder in Ehren : und möge nur ein Stamm von 25—30 jungen Männern im Laufe der Zeit aus dem Seminar hervorgehen! was ist da nicht für Judenthum und dessen Wissenschaft gewonnen. Ich habe grosse Opfer gebracht, aber sie waren auch für eine grosse Sache: und der Allmächtige wird mein Streben wohl nicht ganz fruchtlos sein lassen.“ In dieser Hoffnung hat sich Frankel nicht getäuscht. Nahezu ein halbes Jahrhundert ist abgelaufen, seit dem Frankel am 10. August 185.4 das Breslauer Semi־ nar eröffnefce. Es war eine stille Feier, wie sie sich für den Beginn einer Institution schickte, die neu, und deren Zukunft ungewiss war. Die Theilnehmer verloren sich fast in dem ziemlich geräumigen Saal: ausser dem Lehrkörper und den Curatoren waren iiur wenige Schüler zugegen. Die ersteren sind dahin gegangen, und die letzteren, soweit sie sich noch am Leben befinden, sind bejahrte Männer. Aber wer wollte leugnen, dass die Anstalt sich segensreich bewährt und