Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 45 (1901)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Zacharias Frankel
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 250 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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250 Zaeharins Frankel. Yon ihm und über ihn. abgegeben, die mit den Worten schliesst: ״Der böswilligen Verkennung und Verdächtigung setze ich ein verachtendes Stillschweigen und den Gedanken entgegen : יקללו המה ואתה 4‘תברך (Monatschr. 1861, S. 160). Wenn es sich aber um all־■ gemeine Interessen handelte, da erschien ihm kein Anlass zu geringfügig, um seine Stimme zu erheben. Es ist eine der rühmenswerthesten Eigenschaften ErankePs gewesen, dass er sich nicht auf seine gelehrte Thätigkeit zurückzog, und die Erscheinungen des alltäglichen Lebens gleichgültig an sich vorübergehn liess. Vor seiner Zeit gehörte es ja umgekehrt zur nothwendigen Qualifikation des Rabbiners, dass er ״sass und lernte,״ und von dem, was in der Welt verging, nichts wusste. Dass dies nicht immer so gewesen, beweisen die Lehrer der Mischua und des Talmud, wie die Rabbiner des .Mittelalters, die insgesammt mitten im Leben standen und eben dadurch eine erfolgreiche Thätigkeit entwickelten. Die Vernachlässigung der öffentlichen Vorgänge dagegen hat die späteren Rabbiner um ihren Einfluss gebracht. Und in beiden Hinsichten war es bei den modernen jüdischen Gelehrten, welche den Rabbinertitel verabscheuten, vielleicht noch schlimmer bestellt. Einzig und allein auf ihre gelehrten Forschungen beschränkt, deren Bedeutung wir gewiss nicht herabsetzen wollen, fehlten sie doch darin, dass sie um das Gemeindeleben sich nicht kümmerten, oder wohl gar spotteten über Fragen, die im Schosse der Gemeinde auftauchten, und zu deren Lösung sie das Meiste hätten beitragen sollen. So kam es, dass diese Männer, statt die berufenen Führer und Berather ihrer Glaubensgenossen zu sein, es vielmehr durch ihre gegen die Bewegungen im Judenthum gleichgültige Haltung verschuldeten, dass die Leitung der Gemeinden vielfach in die Hände Unberufener überging, die als Vorsteher oder in einer ähnlichen Eigenschaft die Rabbiner und die sonstigen jüdisehen Gelehrten gleichmässig geringschätzten, über die wichtigsten Angelegenheiten des Judenthums ein selbständiges Urtheil sich anmassten, und ihre Einfälle und Liebhabereien den Gemeinden als Richtschnur aufclrängten. Frankel vernachlässigte über seinen gelehrten Forschungen nicht die Vorgänge im Gemeindeleben, er vereinigte mit der Vorliebe für die ersteren Aufmerksamkeit und Verständniss für die letzteren. Diese Vereinigung machte ihn vorzugsweise zur Heranbildung von Männern geeignet, die nach seiner Absicht als Rabbiner weder einseitig der Wissenschaft leben