Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 45 (1901)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Zacharias Frankel
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 249 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Zacharias Frankel. Von ihm und über ihn. 249 ״altersschwachen‘4 Mannes erhalten hatte. D1\ Michael Sachs war um diese Zeit abwesend. Mach seiner Rückkehr überreichte er, entrüstet über den Vorgang, dem Gemeinde- Vorstand seine Kündigung, die dieser auch annahm. Die Sache erregte grosses Aufsehen, es wurden Stimmen für und wider laut, unter Anderem berief man sich auf den bekannten Satz, dass der Tod versöhne. Frankel liess sich über den Fall in dem ״Rückblick44 des Jahrganges 1861 der ״Monatsschrift44 S. IV. in einer Auseinandersetzung, die ich im Auszuge wiedergebe, folgendermassen vernehmen; ״Aber versöhnt der Tod, so erhebt er nicht, wandelt nicht den Feind des positiven Judenthums in dessen Freund um, *׳ macht nicht Denjenigen, für den die Grundsäulen des Judenthums nichts Verbindliches hatten, zu deren Bekenner. Ihn nun in der Reihe jener alten Lehrer begraben, ist ein Hohn gegen die Verstorbenen, wie gegen den von ihnen bewährten Glauben.44 ״Er (D1\ Sachs) hat unklug gehandelt,44 Hessen sich viele Stimmen vernehmen. Wer im tiefen Bewusstsein seiner Pflicht handelt, wo je für eine höhere Idee *eingetreten wird, wer eine Uebefzeugung zu erfassen und ihr Opfer zu bringen vermag, bei dem vermisst die Menge, die genau die Lebensverhältnisse und deren Vor- und Nachtheile berechnet, die von ihr so hoch gehaltene Klugheit. Dem tief gekränkten Glauben eine Genugthuung zu verschaffen war wohl der leitende Gedanke des Dr. Sachs; er mochte unklug sein, aber er war wür di g: Hingegen handelte der Vorstand, wie es der grosse Haufe nennt, einem ״trotzigen44 Gemeindebeamten gegenüber klug; aber ob auch würdig?“ Wahrlich goldene Worte, werth, von Rabbinern und Vorständen gleichmassig beherzigt zu werden. Viele Andere an FrankePs Stelle hätten sich gedacht, die Sache gehe sie nicht an, und hätten dazu geschwiegen. Aber Frankel hatte nicht bloss ein Amt, sondern auch eine Meinung, und wenn er glaubte, sie verlautbaren zu sollen, dann hielt er damit nicht zurück. Wohlverstanden nicht in seinem eigenen Interesse, von sich selber und für sich selber zu sprechen oder zu schreiben war nicht seine Art. Als von Samson Raphael Hirsch die bekannte Campagne gegen Frankels ״Hodegetik in die Mischna44 eingeleitet wurde, da drängten seine besten Freunde in ihn, er möge selbst das Wort ergreifen, aber er widerstand diesem Ansinnen und hat nur einmal eine kurze Erklärung