Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 45 (1901)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Zacharias Frankel
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 248 (sequence 6)
- Language
- German
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248 Zacharias Frankel, Von ihm und über ihn. Erwartung, beglückwünscht zu werden, einer noch älteren Freundin mit. Diese aber entgegnete : ״Was tkue ich mit dem Doctor, wann wird Ihr Sohn Rabbiner?“ Es dauerte aber noch lange, bis diese Erkenntnis einfacher alter Frauen sich selbst berühmten ״Predigern“ aufdrängte. Man glaube jedoch nicht, dass es sich hier um eine blosse Titelfrage handelte. Die Sache hing aufs Engste mit der Absicht Frankels zusammen, die für seine gesammte literarische und Lehrthätigkeit bestimmend war, und die darauf hinausging, einen vielhundertjährigen Zeitraum der jüdischen Geschichte, der die scharfsinnigsten Denker, sowie die grössten Volkslehrer und Erzieher aufzuweisen hat, und deren geistige!Nachlassenschaft aus dem Zustande der Verkennung, um nicht zu sagen Verachtung, emporzuheben und ihnen durch ihre wissenschaftliche Beleuchtung die verdiente Anerkennung und die gebührende Bedeutung für das religiöse Leben zu erringen. Für die Erreichung dieses Zweckes erschien Frankel auch* die erwähnte Titelfrage mit Recht von Wichtigkeit, zumal diese ja auch die künftige Stellung und Leistungsfähigkeit seiner Schüler nahe berührte. Frankel hatte als praktischer Rabbiner reiche Erfahrungen zu sammeln Gelegenheit gehabt, und bei seiner ausserordentliehen Klugheit war es ihm nicht entgangen, in wie erbarmlichem Zustand die Stellung der Rabbiner im Allgemeinen, theils durch deren eigenes Verschulden, theils durch Verschulden der Gemeinden sich befand, und als der Freund, ja als der Vater seiner Schüler, als den der kinderlose Mann sich gern bezeichnete, und der er auch wirklich war, lag es ihm am Herzen, ihre künftige Stellung zu einer ihrer selbst, wie der Gemeinden würdigen zu gestalten. Wenn ich aber von der Klugheit Frankels rede, so möchte ich beileibe darunter nicht die kalte, nüchterne Berechnung und Vorsicht verstanden wissen. Er selbst hat sich über diesen Punkt bei einer Gelegenheit ausgesprochen, bei welcher er auch seihe Meinung über das richtige Verhältniss zwischen Rabbiner und Vorstand kundgab. Der Anlass war dieser. Im Jahre 1860 war Dr. Holdheim, Prediger der Reformgemeinde in Berlin, gestorben und in der herkömmlieh für die Rabbiner reservirten sogenannten ״ersten Reihe“ beerdigt worden, nachdem der Gemeindevorstand zuvor die Meinung des Rabbinatsverwesers Oettinger eingeholt und auch die Zustimmung dieses, wie Frankel ihn bezeichnet,