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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1901-01-01 · Heft 3 · p. Seite 245

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
45 (1901)
Issue
Heft 3
Article
Zacharias Frankel
Date
1901-01-01
Page
Seite 245 (sequence 3)
Language
German
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Zacharias ■ Frankel. Yon ihm und über ihn. 245 aufgegeben und mit den Hülfsmitteln der neu erschlossenen universellen Bildung sich ein neues Judenthum von ״wesenlosem Scheine“ construirt hatten. Er wusste aber die guten Anregungen, die hier wie dort vorhanden waren, mit seinem Scharfblick wahrzunehmen und für sein Leben nutzbar zu machen. Dass er auf diese Weise sich stark genug bewies, selbständig einen mittleren Standpunkt einzunehmen und zu behaupten, haben die Vertreter beider Extreme ihm späterhin als Schwäche ausgelegt, denn die Menschen glauben ge״ wohnlich, dass sie um so fester stehen, je radikaler sie sind und je näher ihr Standpunkt zu der äussersten Grenze gelegen ist, während sie in Wirklichkeit dahin nicht in bewusster Folgerichtigkeit gelangen, sondern aus Mangel an Widerstandskraft von den Verhältnissen dahin gedrängt und fortgerissen werden. Die sich mit selbstgefälligem Nachdruck die Entschiedenen nennen, das sind in der Regel die Unentschiedensten, an denen das Wort des Kirchenvaters Augustin ״Trahimur“ zumeist zur Geltung kommt. Sie hängen nicht selten mit sonderbarer Schwärmerei an Erseheinungen und Gestalten ihrer Jugendzeit, von denen sie jedoch in ihrer Denkungsart und Lebensweise sich vollständig losgesagt haben, etwa wie jener König von Sicilien die Embleme des Topferhandwerks aufbewahrte, das er einst betrieben batte, gewiss aber niemals aufzunehmen gedachte. Dagegen erscheint ihnen jeder für verdächtig oder räthselhaft, der den Zwiespalt zwischen jugendlicher und reiferer Anschauung an sich nicht erfahren, oder, wenn er ihn erfahren, in sich zum Ausgleich gebracht hat. Auch Frankel gerieth bei jenen Zwiespältigen in Verdacht, weil er selbst keine Spur von Zwiespalt aufwies, und bei den Gelehrten aus der Pressburger oder anderen derartigen Jeschiba’s, die für die ehrwürdigen Meister derselben eine platonische Schwärmerei zur Schau trugen, längst aber aller religiösen Yerpflichtungen sich entschlagen hatten, galt Frankel mit seiner Verbindung von Glauben und Wissen, von unverhohlener Frömmigkeit und ernster kritischer Forschung für einen Romanliker, wenn nicht für Schlimmeres. Er war aber sich selbst ״das Mass der Dinge“, und was Anderen unvereinbar schien, das hatte er in sich nicht etwa bloss zusammengeschweisst, sondern zu einheitlichem Gusse verschmolzen. Von romantisehen Anwandlungen war Frankel vollständig frei; er war kein Gefühlsmeosch in dem Sinne, dass er über jeden

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