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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1901-01-01 · Heft 3 · p. Seite 244

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
45 (1901)
Issue
Heft 3
Article
Zacharias Frankel
Date
1901-01-01
Page
Seite 244 (sequence 2)
Language
German
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244 Zacharias Frankel. Von ihm und über ihn, Geburtsorte Frankels, waren es Herz Homberg und Peter Beer, die vor dem keranwachsenden Geschlecht die jüdische Religion und Gelehrsamkeit mehr entstellten als darstellten. In dieser Zeit war ein junger Mann, der sich sammeln und in der Erscheinungen Flucht einen festen Pol gewinnen wollte, auf sich selbst und sein eigenes TJrtheil angewiesen. Mit dem menschlichen Urtheil geht es aber wie mit der Magnetnadel, die zwar ohne Störungen ihre nördliche Riehtung einhält, aber durch die leisesten seismischen und andere Einflüsse davon abgelenkt wird. Ebenso trifft das menschliche TJrtheil bei normaler Anlage und in normalen Zeiten das Richtige, es lässt sich aber ebenso leicht durch äussere Einflüsse ablenken und i^s Schwanken versetzen. Darin war nun Frankel von der Matur glücklich veranlagt, oder vielmehr, es äusserte sich darin die Summe jener Eigenschaften, durch welche er sich zu frühzeitiger Selbständigkeit erzogen hatte, dass er in zweifelhafter Lage schnell den richtigen Entschluss zu fassen vermochte und sich davon durch nichts abbringen liess. Er hat dies durch seinen epochemachenden Austritt aus der Frankfurter Rabbinerversammlung, sowie früher und später wiederholt bewiesen. Seine unverrückbare, in allen Fällen sichere Haltung und imponirende Männlichkeit machte dann nicht bloss auf uns Schüler einen unwiderstehlichen Eindruck, sondern sie hatte zur Folge, dass auch seine hervorragenden Mitarbeiter, Männer wie Graetz und Bernays, vor unseren Augen ihm buchstäblich ״wie Diener ihrem Herrnu, aber ohne dass er dazu herausgefordert hätte, mit ehrfurchtsvoller Scheu begegneten, wozu seine Gelehrsamkeit allein die ihm darin gleichwerthigen Männer kaum bewogen haben würde. Am meisten aber war ihm seine — wenn ich den Grundzug seines Wesens so bezeichnen darf — Treffsicherheit schon bei der Bestimmung seiner Lebensrichtung zu statten gekommen. Frankel ging gleich von Hans aus seinen eigenen Weg. Er hat späterhin eine Partei, oder vielmehr eine Schule gebildet, sein Marne ist ein Begriff, ein Programm geworden. Aber als junger Mann fand er ein Chaos vor und er musste selbständig Plan und Ziel seines Lehens entwerfen und bestimmen.. Dies führte ihn gleich weit ab von denen, die an der alten, einseitigen Denkungsart sich festklammerten und von dem Meuen nichts wissen wollten, wie von denen, die jede Verbindung mit dem historisch Gewordenen

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