Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 45 (1901)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Zacharias Frankel
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 242 (sequence 16)
- Language
- German
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242 Zacharias!Frankel, gemeine Wis s s e nsch aft die ihr gebührende Stellung finde.“ Aehnliche Gedanken, insbesondere das Verlangen nach einer ״jüdisch-theologischen Fakultät,“ waren auch schon von anderer Seite ausgesprochen worden, ohne einen Boden zu ihrer Verwirklichung zu finden. Die Vorschläge aber, die Frankel im Anschlüsse an obige Aus* führungen machte — von denen er bekennt, ״dass er sie im tiefsten Drange seines Herzens gesprochen, dass er jahrelang den Gedanken an ein Seminar mit sich herumgetragen“ — waren so sorgsam durchdacht, erfassten die Ziele so klar und waren auch in ihren Einzelheiten so überzeugend, dass bald darauf die Curatoren der Fränekelsehen Stiftungen in Breslau, zu deren Aufgabe auch die Errichtung eines Rabbiner- und Lehrerseminars gehörte, an ihn, als an den berufenen Schöpfer einer solchen Anstalt, sich wandten. Freudig folgte er diesem Rufe, und am 10. August 1854 wurde die neue Lehranstalt eröffnet. Ueber zwanzig Jahre treuester, sorgsamster Wirksamkeit waren Frankel an dieser Anstalt vergönnt. Sie bot seinem umfassenden Wissen, seinem reifen, durchdringenden Geiste, dem in ihm lebenden, energischen Triebe für sein Volk und dessen Lehre zu streben und zu arbeiten, ein weites Feld zur Entfaltung, den anregenden Verkehr gleichstrebender Lehrer, die zum Theil schon vorher ihre wissenschaftliche Thätigkeit an die seine angeschlossen hatten, seinem liebeerfüllten Herzen die hingebende Sorge für eine zahlreiche Schaar von Jüngern und deren innige unvergängliche Verehrung. Als er starb, wirkten bereits viele seiner Schüler in seinem Geiste und was er gelehrt und geschaffen, war ihnen ein theures Vermächtnis, das sie zu erhalten, und nach dein sie weiter zu arbeiten haben. Nach dem Vorbilde, das er im jüdisch ־ theologischen Seminar gegeben, entstanden auch andere Anstalten, an die zum überwiegend grössten Theile Jünger seiner Schule als Lehrer berufen wurden. Auch diejenigen, die ihn im Leben bekämpften, standen und stehen unbewusst unter dem Einflüsse seines mächtigen Wirkens. — Sein Andenken bleibe zum Segen auch für kommende Geschlechter.