Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 45 (1901)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Zacharias Frankel
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 243 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Zacharias Frankel. Von ihm und über ihn. 243 Zacharias?ranket. Von ihm und über ihn. Von Di. M. Güdemann in Wien. ״Er war ein Mann, nehmt Alles nur in Allem“. So habe ich in jungen Jahren, von 1854—1862, während welcher Zeit ich als einer seiner Schüler in seiner Nähe weilte, den hochverehrten Meister kennen gelernt, so hat sich mir in reiferen Jahren durch den brieflichen Yerkehr mit ihm sein Bild immer deutlicher eingeprägt, und wenn ich jetzt, selbst alt geworden, am hundertsten Jahrestage seiner Gehurt, das was er gewesen und wodurch er es gewesen, in Kürze zusammenfassen soll, so wüsste ich kein bezeichnenderes Wort zu wählen. Es drückt die Gedrungenheit und Einheitlichkeit seines Wesens aus, worauf es bei solchen, die berufen sind erziehlich und vorbildlich zu wirken, vor Allem ankommt. Kinder und Schüler finden die Risse und Sprünge, die etwa in dem Wesen ihrer Eltern und Lehrer vorhanden sind, am ehesten heraus, und wenn nach einem bekannten Worte Niemand vor seinem Kammerdiener sich als grossen Mann behaupten kann, so kann er es vor seinen Kindern und Schülern noch viel weniger. In der Zeit aber, in welche Frankels Jugend fällt, war es für einen nach Bildung strebenden Juden keine leichte Aufgabe, ein zu״ sammengefasstes Wesen sich anzueignen und zu bewahren. Denn es war eine Zeit der Auflösung und Zerfahrenheit. Die von Mendelssohn ausgegangene, auf die Verbreitung universeller Bildung unter den Juden gerichtete Bewegung hatte bei Vielen das überkommene Judenthum mit ungestümem Vorstoss iu den Hintergrund und fast aus ihrem Leben hinausgedrängt. Das Kind war mit dem Bade ausgeschüttet worden, ohne Wahl wurde Ueberlebtes und Triebkräftiges in die Rumpelkammer geworfen. Die Sucht, mit dem Alten aufzuräumen, war bei Manchen zu einem formliehen Hass gegen das Alte, oder was man dafür hielt, ausgewachsen. Man braucht nur einen Blick in die Schriften Lazarus Bendavid's und David FriedLaerider’s zu werfen und man gewinnt den Eindruck, dass in der Metropole Deutschlands das Judenthum damals einen förmlichen Selbstverbrennungsprocess vollzog, aus welchem Zunz wie ein Vogel Phönix hervorging. In Oesterreieh uad zumal in Prag, dem 16*