Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 45 (1901)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Zacharias Frankel
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 233 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Zacharias Frankel. 233 die eingehende historische, systematische und psychologische Behandlung und Begründung der Beweisarten, der Zeugenschaft, des Eides, des Geständnisses, der Urkunden und Präsumptionen, sondern zieht auch in seine Erörterung eine grosse Zahl verschiedener anderer Rechtsmaterien hinein und giebt so im Ganzen ein gedrängtes, aber klares Bild der jüdischen Rechtsentwickelung überhaupt. Während Frankel so auf dem Wege der Wissenschaft für sein Volk Siege des Rechts errang und selbst für das juristische Gebiet, von dessen Bearbeitung durch jüdische Geistesthätigkeit nur wenig bekannt war, die Anerkennung der Fachwissenschaft gewann, hatte er auch bereits in den Kämpfen um die weitere religiöse Entwickelung des Judent h u m s Stellung genommen und war bald zu hervorragendem Einflüsse gelangt. Mit dem Beginn der vierziger Jahre hatten die verschiedenen Reformbestrebungen im Judenthum allmählich eine festere Gestalt gewonnen und drängten zum Ausdruck und zur Entscheidung. Da gründete Frankel im Jahre 1844 die in drei Jahrgängen erschienene »Zeitschrift für die religiösen Interessen desjudenthu m’s«, die es sich zur Aufgabe setzte, »das Judenthum nach seiner religiösen Seite zu beleuchten und die Lösung der Frage, wie nicht aus einer zerstörenden, niederreissenden Reform, sondern aus der Lehre des Judenthums selbst die Fortentwickelung desselben hervorgehen müsse, zum Bewusstsein zu bringen«. In einer Reihe von Aufsätzen sprach er seine Ansichten über die weitere Gestaltung des Judenthums in dem Sinne, der bereits früher angedeutet worden ist, aus. Es herrscht in denselben ein Geist und eine Frische, ein klarer Blick und eine warme Empfindung, eine so hell leuchtende Einsicht in das Wesen und den Grund des Judenthums, eine so erhebende Erfassung seiner Aufgabe und seiner Zukunft, dass man noch jetzt von ihnen ergriffen und erhoben, belehrt und gekräftigt wird und sie dem Besten anreihen muss, was über diese Lebensfrage unserer Religion in neuerer Zeit geschrieben worden ist. Bald sollte er auch thätig in die Entwickelung eingreifen. Eine Rabbinerversammlung war im Jahre 1844 in Braunschweig zusammengetreten. Frankel hatte ihren Zusammentritt sympathisch begrüsst und seine Erwartungen über den Gang