Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 45 (1901)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Zacharias Frankel
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 230 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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230 Zacharias Frankel. Das war keine Lehre, mit der alle zudringlichen Fragen beruhigt werden können, keine fertige Auskunft, die über Alles und Jedes sogleich die beschwichtigende Antwort bereit hat, es war vielmehr eine Aufgabe, die nur allmählich in gegenseitiger Durchdringung der nur schwer zu gewinnenden Erkenntniss des Judenthums mit den realen Bildungsmächten gewonnen werden kann. Noch lange hinaus wird die Lösung dieser Aufgabe das Ziel alles Strebens im Judenthume sein, aber ihre Erreichung ist gewährleistet durch die gleiche Entwickelung, die dasselbe be* reits zweimal durchgemacht hat, als hellenische Kunst und hellenische Weisheit mit mächtigem Einflüsse in das Judenthum eindrangen und später noch, als die jugendkräftige arabische Bildung das Judenthum befruchtend erfüllte. Beide Male hat es die fremden Elemente siegreich überwunden, durch das arabische sogar eine neue schöne Blüthezeit erlebt« Diese Aehnlichkeit der Entwickelung mochte es sein, die den Forschungstrieb der jungen jüdischen Gelehrten, vor Allem auf die grosse spanische Periode richtete. Frankel stieg tiefer hinab. Er suchte die Quellen des Hauptstromes des Judenthumes, der Halacha, zu erforschen von da ab, wo sie geschichtlich sichtbar hervortreten, und daneben, im Verfolg dieses Gedankens, jenen ersten Zusammenstoss desselben mit einer grossartigen fremden geistigen Macht, der hellenischen, in ihren Wirkungen zu verfolgen. Dies waren die beiden bewegenden Ziele seiner wissenschaftlichen Thätigkeit, wenn auch dem ersten, seiner hervorragenden Wichtigkeit nach, der Haupttheil seiner Leistungen zufiel. Doch nur langsam und allmählich konnte er mit den Resultaten seiner Forschungen auf diesen Gebieten hervortreten. Den Haupttheil seiner ersten öffentlichen Wirksamkeit nahm der Kampf für das unterdrückte Recht und gegen die sich überstürzenden uferlosen Reformb estre ׳ b u n g e n in Anspruch. Nach seiner ersten, nur vier Jahre dauernden, Amtsthätigkeit in T e p 1 i t z, woselbst er das gesammte Gebiet, das er einst schriftstellerisch bearbeiten wollte, durchforscht, reiche Materialien gesammelt, und für manche Disciplinen der jüdischen Wissenschaft die Gesichtspunkte aufgestellt,