Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 45 (1901)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Zacharias Frankel
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 229 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2829132-2829753-2829757-2883320--30680-2883380- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Zacharias Frankel. 229 das Wissen die klare Erleuchtung gebracht, mit der sie das vom Schutt bedeckte Erbe durchdrungen und erhelltem Mit der Fackel der Erkenntniss stiegen sie nieder in die tiefen Schachte des Judenthums und enthüllten den staunenden Blicken seinen unendlich reichen Inhalt, die hohen Gedankensysteme seiner Philosophen, die innigen und bezaubernden Lieder seiner Dichter, die stolze, an Kämpfen und Opfern reiche Geschichte, an der dss ganze Volk mitgewirkt hatte. Sie haben in ־wenigen Jahrzehnten eine Wissenschaft des Judenthums geschaffen, die ebenbürtig einer jeden sich an die Seite stellen kann, sie haben dem Juden sein sicheres Selbstbewusstsein und den Stolz auf den Adel und die Vergangenheit seines Volkes wiedergewonnen und, jeden Zweifel überwältigend, dessen unversiegbare Lebenskraft dargethan. Bewundernd stehen wir Nachgeborenen vor dem Gewaltigen, was jene Männer, was, um nur die hervorragenden Spitzen zu nennen, ein Krochmal, Rapoport, Zunz, Luzzatto geschaffen haben und eine dankbare Nachwelt wird ihre Namen ebenbürtig neben die der Heroen unserer grossen spanisch-arabischen Periode stellen. An ihrer Seite steht, was die wissenschaftliche Richtung und die Grösse der Leistungen betrifft, Z acharias Frankel. Er kann als ihr Führer und Bannerträger in den Kämpfen um die praktische Gestaltung des Judenthums bezeichnet werden. Während jene Männer hauptsächlich die Erforschung der Vergangenheit oblagen, hat er zugleich das bewegende Ziel dieser Richtung zum Aus druck gebracht, dass das Jude nthum in seiner Eigenthümlichkeit erhalten werden müsse und in seinen ewigen Bestimmungen und Formen den Forderungen der verganglichen Tagesmeinung gegenüber nicht zum Opfer gebracht werden dürfe, dass es aber andererseits in dem Bewusstsein aller Geschlechter seinen unerschütterlichen Boden haben und darum mit den bewegendenTdeen der Zeiten in steter Verbindung bleiben, von ihrem Lichte sich erleuchten undaus ihnen die Kraft gewinnen müsse, die das Ewige im Judenthum den wechselnden Generationen stets in frischer belebender Anziehung erhält.