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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1901-01-01 · Heft 2 · p. Seite 118

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
45 (1901)
Issue
Heft 2
Article
Harnack's Vorlesungen über das Wesen des Christenthums
Date
1901-01-01
Page
Seite 118 (sequence 22)
Language
German
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118 Harnack’s Vorlesungea über das Wesen des Christenthmns. können, sie war in der alten Welt nur von den Juden ge״ schaffen worden, und der Juden Erbtkeil ist sie, wo immer sie sich später findet. Man braucht nur die römischen Schriftsteller zu lesen, um zu sehen, wie die Juden für die ganze heidnische Welt fremd und unbegreiflich waren,/ wie sie bald lächerlich bald unheimlich, fast gespenstisch erschienen. Man muss die Juden kennen, wenn man das Evangelium verstehen will. Und das führt uns auf ein anderes noch. Die meisten Darsteller des Lebens Jesu unterlassen es, darauf hin zu weisen, dass Jesus in jedem seiner Züge durchaus ein e c h t jü d is ch e r Charakter ist, dass ein Mann wie er nur auf dem Boden des Judenthums, nur dort und nirgend anders, erwachsen konnte* Jesus ist eine echt jüdische Persönlichkeit, all sein Streben und Thun, sein Tragen und Fühlen, sein Sprechen und Schweigen, es trägt den Stempel jüdischer Art, das Gepräge des jüdischen Idealismus, des Besten, was es im Judentum gab und giebt, aber nur im Judenthum damals gab. Er war ein Jude unter Juden; aus keinem anderen Volke hätte ein Mann wie er hervorgehen können und in keinem anderen Yolke hätte ein Mann wie er wirken können 5 in keinem anderen Yolke hätte er die Apostel, die an ihn glaubten, gefunden. — Diesen Mutterboden der Persönlichkeit Jesu hat• Harnack nicht in den Blick genommen. Dies sind die Grundfehler der Harnack’schen Schrift1) : die apologetische Absichtlichkeit und dann die mangelnde Berücksichtigung jüdischer Litteratur und jüdischer Wissenschaff. Die Worte, die Abraham Geiger vor Jahrzehnten anklagend schrieb : ״Absprechend über Gegenstände zu urtheilen, zu deren selbständiger Erforschung es an den nöthigen Voraussetzungen und Fähigkeiten gebricht, würde man sich wahrlich auf jedem anderen Gebiete doppelt und dreifach bedenken; nur dem Judenthum gegenüber glaubt man mit souveräner Willkür zu Werke gehen zu dürfen״ — diese Worte haben leider auch heute von ihrer Actualität nichts verloren, und sie sind auch Harnack gegenüber zu wiederholen. Dass sein Buch viel Vortreffliches enthält, dass jede Seite den Leser anregt, dass die Kunst der Darstellung 1) Die Capitel, welche über den Katholicismus und den Protestantismus handeln, sind in diese Besprechung nicht eingezogen. — In der Dogmengeschichte (I S. 58 Anm.) ist das TJrtheiL über die Pharisäer nicht so schroff; freilich befinden sie sich dort ״in der These“, nichtr wie hier, ״in der Antithese“.

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