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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1901-01-01 · Heft 2 · p. Seite 113

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
45 (1901)
Issue
Heft 2
Article
Harnack's Vorlesungen über das Wesen des Christenthums
Date
1901-01-01
Page
Seite 113 (sequence 17)
Language
German
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HarnacVs Vorlesungen über das Wesen des Christen thums. ]13 Namen des ganzen Volkes, gewissermassen von ihm1) *also auch von dem Aermsten in ihm, dargebracht wurde. Und die Casualopfer waren, wie Herr H. wissen wird, schon in der heiligen Schrift derart festgesetzt, dass der Aermste sein kleines Scherf lein darbringen konnte, und immer wieder betont es der Talmud, dass dieses ebenso wohlgefällig und noch wohlgefälliger vor Gott ist, als die reichste Gabe des Reichen. (Vergb Markus 12, 43). Dass die Armen gedrückt und gestossen wurden, ist ebenfalls nichts als phantastischer Hintergrund. Wie schon erwähnt, tritt in der Geschichte dieser Zeit die thätige Fürsorge für den Armen und nicht minder der Rechtsschutz, der ihm gewährt ist, deutlich hervor; und durch die gesamte pharisäische Litteratur zieht sich der sittliche Respekt vor der Armuth hindurch, nicht etwa das blosse warme Mitleid mit ihr. Man sieht, vor der Wirklichkeit bleibt von Harnack’s pathetischem Satz nichts übrig. Die Folge davon, dass Herr Harnack es völlig verabsäumt, in ״Dichters Lande zu gehen“, zeigt sich darin auch, dass er die Sätze des Evangeliums historisch zu werthen verabsäumt. Nach H. ist die Lehre, dass durch das Reich Gottes das Individuum, nicht das Volk oder der Staat, erlöst wird, dass das Himmelreich ״nichthier oder dort“, sondern inwendig, in uns ist, (S. 39) eine bloss dem Evangelium eigenthümliehe Anschauung. In Wahrheit ist das ein Gedanke, den bereits Jeremias und Ezechiel, welch letzterer überhaupt in vieler Hinsicht der eigentliche Autor des Evangeliums ist, aufs deutlichste ausgesprochen haben. Dass im Talmud in den verschiedensten Formen, zumal in der von H. aufgestellten, derselben Vorstellung Ausdruck gegeben wird, hätte schon ein Blick in Bachers Haggadawerk zeigen können. Hier die Belegstellen anzuführen, würde viele Seiten füllen. Das Gleiche gilt von der Behauptung Harnack’s, dass ״erst“ durch das Evangelium der Werth jeder einzelnen Menschenseele, jeder armen Seele sichergestellt worden, sei. (S. 44). Dem gegenüber ist wiederum auf Ezechiel2) und auf den Talmud hinzuweisen. ״Um jedes einzelnen Menschen b S. Joseplius, Antt. III, 9, 1 : ן/׳ pAv (sc. Ispoopyta) u7rd t&v l&KöTÖV, STSpa 5 s (j7Z0 TOU X7,[X0U GUVT£X0Ö[Jl״SVa1. 2) S. die vortreffliche Darstellung von Ezechiels Grundgedanken, die Cornill in seinem ״Propliotismus,“ S. 117 ff. giebt. Monatsschrift, 45. Jahrgang.

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