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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1901-01-01 · Heft 2 · p. Seite 111

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
45 (1901)
Issue
Heft 2
Article
Harnack's Vorlesungen über das Wesen des Christenthums
Date
1901-01-01
Page
Seite 111 (sequence 15)
Language
German
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Härnack’s Vorlesungen über das Wesen des Christenthums.!11 in dem Sinne gebraucht, wie H. es meint, denn Elementarlehrer hat er nicht im Auge — gab es damals nicht; bezahlt wie moderne Professoren wurden die Lehrer auch nicht. Die Lehrer waren, wie jeder Blick in ihre Lebensgeschiehte es sehen lässt, Handwerker, Ackerbauer u. dergl., Männer, die in der Arbeit des Lebens standen und Y0n deren Worten deshalb auch dasselbe gilt, was Herr H. Y0n der Predigt Jesu anführt: ״Trauern und Weinen, Lachen und Hüpfen, Reichtum und Armuth, Hunger und Durst .... Herberge und Heimkehr, Hochzeit und Todtentrauer . . . der Sämann und der Schnitter auf dem Felde .... die irdische Speise und ihr Vergehen, das geistige Verhältnis von Lehrer und Schüler — all diese Bilder beleben seine Reden und machen sie anschaulich aucli für Kinder am Geist“ (S. 23). Ausser den erwähnten Eigenschaften findet Herr H. an den Pharisäern noch mancherlei andere dunkle Züge. ״Die herrschenden Classen, zu welchen vor allem die Pharisäer und auch die Priester gehörten — diese verbunden mit den irdischen Machthabern —־־ besassen wenig Herz für die Hoth des armen Volkes. Es mag nicht viel schlimmer gewesen sein, als es bei jenen Klassen zu allen Zeiten und bei allen Völkern zugeht, aber es war schlimm. Und es kam hier noch hinzu, dass das Interesse für den Cultus und für die cultische ״Gerechtigkeit“ die Teilnahme für den Armen und die Barmherzigkeit zurückdrängte“. (S. 58). Dies alles ist rein ersonnen und erfunden. Es gab vielmehr selten eine Zeit, die in so umfassenden Masse für die wirthschaftlich Schwachen eintrat; die Armengeseizgebung jener Tage wie die Haggada bietet die zahlreichsten Zeugnisse. Aber diese Thatsachen werden einfach ignoriert; was in keiner anderen Wissenschaft einer wagen würde, das *scheint, an der Geschichte des Judenthums begangen, straflos und erlaubt zu sein. Herr H. führt zwar zwei Beweise an. Der erste: ״Die Bedrückung und Tyrannei seitens der Reichen war längst ein stehendes und unerschöpfliches Thema der Psalmisten und aller wärmer Empfindenden geworden.“ Davon, dass es sehr bestreitbar ist, dass gerade dies ein stehendes Thema des Psalmisten ist, sei hier ganz abgesehen. Aber was für eine historische Methode liegt diesem Argument zu Grunde! Herr Harnack weiss es doch sicherlich, in welche Zeit selbst die extremsten Bibelkritiker die einzelnen Theile des Psalters hinrücken, und Aussprüche aus dieser weit voranliegenden Epoche sollen Belege bilden für die Beurtheilung der Zustände

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