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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1901-01-01 · Heft 2 · p. Seite 104

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
45 (1901)
Issue
Heft 2
Article
Harnack's Vorlesungen über das Wesen des Christenthums
Date
1901-01-01
Page
Seite 104 (sequence 8)
Language
German
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104 Harnack’s Vorlesungen über das Wesen des Christen thums. doxie und der Unnachgiebigkeit der Postulierung zeigt, völlig da hin ge geben (s. S. 54, 55, 67, 71 etc.). Hier ist Herr Har־־ nack ein schlechter Apologet sogar. Es sei denn, dass die geschichtliche Entwicklung gerechtfertigt werden soll; denn das wahre Evangelium ist sehr bald ans dem Leben hinaus — man möchte sagen — in das historische Museum hinübergebracht worden; die Geschichte zweier Continente weiss von dieser Conservierung zu erzählen* Die nothwendige Folge der apologetischen Stellungnahme ist es, dass Sätze des Evangeliums oft nicht exegetisch, sondern homiletisch erklärt werden. Einige bezeichnende Belegstellen seien auch hierfür beigebracht♦ Die Antwort, die Jesus den zwei Jüngern des Johannes ertheilt (Matth. 11, 5), bedeutet nach Herrn H. nichts anderes als: ״ An der lieber- Windung und Wegräumung des Elends, der Noth, der Krankheit, an diesem thatsächlichen Wirken soll Johannes spüren, dass eine neue Zeit angebrochen ist.“ ״Alles Uebel, alles Elend ist ihm etwas Fürchterliches; es gehört zum grossen Satansreich; aber er fühlt die Kraft des Heilandes in sich. Er weiss, dass ein Fortschritt nur möglich ist, wenn die Schwäche überwunden, die Krankheit geheilt wird.“ (S. 38 f) Das ist der ganze Sinn jener Verse nach Herrn H.; über die einzelnen Thaten, die in ihnen aufgeführt werden, geht er hinweg. Wie Herr H. sich zu der Frage der Realität des Wunders stellt, erfährt man überhaupt nicht klipp und klar, obwohl ihr mehrere Seiten (16—19 u. 37—38) gewidmet werden« Harnacks Standpunkt hierin lässt sich in pädagogischer Hinsicht sehr wohl rechtfertigen, der Standpunkt des Historikers ist er aber nicht. Ein offenes ooSsv öpf(co wäre besser noch gewesen. Auch in der Erklärung von Sätzen wie Matth. 5, 28 u. 38, Luc. 14, 26, Matth. 19, 12 u. 21 wird der klaren Antwort eigentlich aus dem Wege gegangen, eine homiletisehe Antithese tritt an ihre Stelle (s. S► 52). Immerhin wird man gern zugestehen, dass, verglichen mit der Kunst, vermittelst der Worte den Sinn und Gedanken unerkennbar zu machen, wie sie Ritschl in seiner bekannten Definition der Gottheit Jesu ausübt, Harnacks Rede beinahe noch scharf und präcis zu nennen ist. *In ähnlicher Weise werden die Stellen des Evangeliums, in denen die Durchsetzung des Rechtes abgewiesen wird, interpretiert, um, wie schon erwähnt, zu beweisen, dass ״davon keine Rede sein kann, dass Jesus das Recht als solches und die Rechtsübung abschätzig heurtheilt habe.“ Denn ״Jesus

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