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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1901-01-01 · Heft 2 · p. Seite 102

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
45 (1901)
Issue
Heft 2
Article
Harnack's Vorlesungen über das Wesen des Christenthums
Date
1901-01-01
Page
Seite 102 (sequence 6)
Language
German
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102 Harnack’s Vorlesungen über das Wesen des Christenthums. Geschichte versenken sollen, um zu erkennen, warum unter anderen geschichtlichen Ueberlieferungen und in anderen Bildungsformen hier keine Gegensätze empfunden werden, beides vielmehr neben einander bestehen konnte.“ (S. 35.) Wenn er dieses richtige Princip hier nicht an wendet, so zeigt es sich wieder, dass der Apologet den Historiker in die Flucht geschlagen hat. Ein anderes Beispiel: Herr H. verficht die Behauptung, dass das Evangelium den staatlichen Rechtsordnungen nicht absolut abweisend gegenübersteht und dass u. a. das Verbot des Eides nicht so zu verstehen ist, dass der ״Eid vor der Obrigkeit mitgemeint ist“ (S. 67). Diese Auffassung lässt sich begründen, aber jedenfalls nicht so, wie es von Herrn H. geschieht1 * *). -Sein einziges Argument ist nämlich: ״Mit Recht hat Wellhausen geurteilt, es gehöre nur ein Körnchen Salz dazu, um den Sinn des Verbots nicht zu verfehlen“ (a. a. 0.). Es giebt nichts im Himmel und auf Erden, was so nicht bewiesen werden könnte. ״Wellhausen locutus est, causa finita est“, das ist, wie gezeigt werden wird, auch noch in einer andern Frage für Herrn H. die letzte Entscheidung. Ein anderes Beispiel: Herr H. will darthun, dass die bekannten Anwendungen der Mahnung: ״ihr sollt nicht widerstreben dem Bösen“, nicht etwa sagen wollen, dass ״man auch dem Feinde gegenüber in allen Fällen auf die Verfolgung seines Rechts verzichten‘4 solle, ״Soll, um mit Tolstoi zu reden, die Obrigkeit nicht strafen (und damit überhaupt verschwinden), sollen die Völker nicht für Haus und Hof eintreten, wenn sie freventlich angegriffen werden etc.?tt H. antwortet darauf: ״Ich wage zu behaupten, dass Jesus bei jenen Worten an solche Fälle gar nicht gedacht hat ... Jesus hat immer nur den Einzelnen im Auge und die stetige Gesinnung des Herzens in der Liebe. Dass diese bei Verfolgung des eigenen Rechts und bei ernstem Strafvollzug überhaupt nicht bestehen könne, ist ein *Vorurtheil, für welches man sich vergebens auf den Buchstaben jener Sprüche beruft, die doch nicht Gesetze, also Rechts- Ordnungen sein wollen“. (S. 71). Andere werden anderes zu 1j H. bespricht hierbei auch das bekannte Wort Matth. 22, 41 : ״So gebet dem Kaiser etc“; aber er scheint die wahre Beziehung dieses Ausspruches, der einen Gegensatz gegen die Zeloten enthält, nicht zu kennen. Vgl. z. B. A. Geiger, das Judenthum und seine Geschichte. I, 112 u. 172.

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