Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 44 (1900)
- Issue
- Heft 10
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 563 (sequence 3)
- Language
- German
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Besprechungen. 563 Quellen Vorkommen de Wörter und Formen zur Stütze dienen für gewisse linguistische Thatsachen, die sich aus griechischen Quellen bisher nicht ausreichend belegen lassen. Besonders für die Aussprache des Griechischen in jener Zeit ist auch die jüdische Transscription von Bedeutung. Auf die Uebereinstimmung mit dem Neugriechischen hat der Yerf.!häufig hingewiesen und dabei wichtige Werke wie Foy’s Lautsystem der griechischen Yulgärsprache und Hatzidakis’ Einleitung in die neugriechische. Grammatik fleissig benutzt. Interessant ist z. B. die Beobachtung, dass ao und z>) im Jüdischen bisweilen durch אפ (statt אב oder או) wiedergegeben wird, was ganz der neugriechischen Aussprache (af, ef) vor Lippen-,Gaumen- und Zungenlauten entspricht. Oefter als es geschehen ist hätten hellenistische und spätere Formen, die durch Inschriften und Papyri bezeugt sind, angeführt werden können. Allerdings ist das Material sehr verstreut und daher für den Nichtphilologen schwer zugänglich: erst neuerdings ist damit begonnen worden, das Material in umfassender Weise für linguistische Forschungen zu verwerthen, besonders von Karl Dieterich in den ״Untersuchungen zur Geschichte der griechischen Sprache von der hellenistischen Zeit bis zum 10. Jahrhundert n. Chr.“ (Leipzig ״S98\ Beachtenswert!! ist auch die Thatsache, dass manche Erscheinungen, die sich im Jüdischen zeigen, auch' bei griechischen Lehn- Wörtern im Armenischen beobachtet werden, wie neulich A. Thumb (Byzant. Zeitschr. 1900 S. 388 ff.) gezeigt bat. Z. B. werden 0 und a> bei der Wiedergabe im Armenischen ebenso wenig geschieden wie im Jüdischen. Bei den lateinischen Lehnwörtern hat der Yerf. bisweilen auf Analogien in den romanischen Sprachen hingewiesen; z. B. bietet für den Uebcrgang von j in 1 in dem Worte י־׳ולינוס (= Julianus) das italienische luglio (= Juli) eine interessante Parallele. Indessen ist hei den lateinischen Lehnwörtern im Jüdischen festzuhalten, dass sie fast ausnahmslos durch Vermittlung' des Griechischen und daher in der Form, die sie im Griechischen erhalten haben, übernommen sind. Die Identificirung der Lehnwörter bietet nicht geringe Schwierigkeiten. Da das Hebräische eine ganz anders geartete Sprache ist als das Griechische und manche griechische Laute gar nicht besitzt, so haben viele Wörter bei der Herübernahme mannigfache Veränderungen erfahren müssen und eine Gestalt angenommen, aus der das zu Grunde Liegende Wort oft nur schwer zn erkennen ist. Dazu kommt ein zweiter Umstand. Die Litteratunverke, um die es sich hier handelt, liegen zum grössten Theil in sehr corrupt überlieferten Texten vor, die ihrer kritischen Bearbeitung noch harren; die zahlreichen Verderbnisse können überall wahrgenommen werden, sind aber naturgemäss da am stärksten, wo Fremdwörter angewendet oder angeführt sind, die von den späteren Abschreibern nicht mehr verstanden und in Folge dessen in der mannigfaltigsten Weise corrumpirt wurden. Der Verf. war sich zwar dieses Zustandes der Ueberlieferung wohl bewusst und hat oft genug־ unverstündliche Formen für corrupt erklärt und sie zu emendiren versucht. Aber ebenso oft lässt er mit Unrecht die verschiedensten Formen neben einander gelten und nimmt seihst auffällige und wenig feststehende Lesarten zum Ausgangspunkt von Erklärungen und Regeln, die als sehr problematisch bezeichnet werden müssen. Das Wort דוגמא wird z. B. mit ozrftxa (Muster, Beispiel, Probe) identificirt. aber für die Wiedergabe von sc durch ו dürfte sich kaum ein anderer Beleg linden, der Verf. selbst erwähnt diesen Ucbergang weder in dem Abschnitt über Trans- 36*