Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 44 (1900)
- Issue
- Heft 10
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 562 (sequence 2)
- Language
- German
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562 Besprechungen. ziehen. Wenn trotzdem - die Ergebnisse der Arbeit in keinem rechten Verhältniss zu dem aufgewandten Fleisse stehen, so liegt die Schuld allerdings zum Theil an den grossen Schwierigkeiten der- Aufgabe, die für einen Anfänger gar nicht geeignet ist, zum Theil aber auch daran, dass derVcrf. zu leicht geneigt ist, gewagte Vormuthungen -auszusprechen und zu verteidigen, und an seinen Aufstellungen zu wenig Selbstkritik geübt hat. Zum Glück hat er noch während des Druckes du Immanuel Löw einen ausgezeichneten Mitarbeiter gefunden, der zugleich sein strengster Kritiker wurde. Löw’s bei vielen Wörtern (im zweiten Theil) . in eckigen Klanimern beigefügte Bemerkungen enthalten in kurzen Worten, biswreilen auch in ausführlicher Widerlegung der vom Ycrf. gegebenen Erklärung, scharfe Urtheile, die fast durchweg unzweifelhaft richtig sind. Zwei schwere Mängel treten durch Löw’s Bemerkungen besonders scharf hervor, einmal dass der Verf. die' Texte oft falsch intorpretirt, und dadurch zu falschen Erklärungen gelangt, sodann, was auch S. Eraenkel iü seiner Anzeige des ersten Theils (Zeitschr. d. d. Morgenl. Gesellsch. LII, 290 ff.) hervorgekoben hat, dass er auf das Syrische zu wenig Rücksicht nimmt und daher manche Wörter aus dem Griechischen abzuleiten versucht, die als gut semitisch anzusehen sind. Wie worthvoll Löw’s Mitwirkung war, ergiebt sich aus der von ihm selbst mitgetheiltcn Thatsache (II 622), dass er bei ungefähr 800 Wörtern die Meinung des Verf.’s als irrig bezeichnen musste, eine enorme Zahl iin Verhäftniss zu den übrigbleibenden 1160 Lehnwörtern und 295 Fremdwörtern. Uebrigens rührt auch die Unterscheidung von Lehnwörtern und Fremdwörtern erst von Löw her. (in den von ihm angefertigten Registern des zweiten Bandes durch L und F bezeichnet): Kr. selbst macht nirgends diesen wichtigen Unterschied zwischen eingebürgerten und darum vielfach der Umbildung unterliegenden Lehnwörtern und nur vereinzelt vorkommenden und unverändert übernommenen Fremdwörtern. So darf füglich behauptet werden, dass das Werk für alle, die es für weitere Untersuchungen zu Rathe ziehen wollen, eigentlich erst durch die kritische Mitarbeit Löw’s benutzbar gemacht ist. , . Die Ermittelung und richtige Erklärung der griechischen und lateinischen Lehnwörter ist natürlich in erster Reihe für das Verstaudniss der Litteraturwerke, in denen sie Vorkommen, von Wichtigkeit. Aber auch für die klassische Philologie und die. Sprachwissenschaft überhaupt erwächst daraus mannigfacher Nutzen: Die Entstehung der -talmudischen und midraschischen Littoratur fällt in eine Zeit, die dem Sprachforscher interessante Probleme bietet: es sind die Jahrhunderte, in denen einerseits die griechische Sprache sich stetig fortentwickelte und veränderte und aus der sog. Kowdj allmählich die neugriechische Sprache erwuchs, aus der lateinischen Sprache andererseits die romanischen Sprachen hervorgegangen sind. Ucber die'Entwickelung der griechischen Volkssprache (die von der Litteratnrsprachc unterschieden werden muss) und die mannigfachen Veränderungen, die sie in der hellenistischen und römischen Zeit erfahren hat, haben wir gerade in den letzten Jahrzehnten wichtige Aufschlüsse erhalten durch die reichen Funde an Inschriften lind Papyrusurkunden. Die Forschung über die Entstehung der neugriechischen Sprache ist dadurch in ganz neue Bahnen gelenkt worden. Auch die griechischen Lehnwörter im Hebräischen erhalten neues Licht. Viele Wörter, die uns da in Formen ent ge gen traten, die von den gewöhnlich bekannten so sehr abstaohen, werden erst jetzt recht verständlich. Auf der anderen Seite können aber auch manche in jüdischen