Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 44 (1900)
- Issue
- Heft 9
- Article
- S. D. Luzzatto's Stellung zur Bibelkritik
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 477 (sequence 18)
- Language
- German
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S. D. Lnzzatto’s Stellung zur Bibelkrjtik. 477 Aus der Anwendung der althebräischen Schrift müssen wir auch einige Irrüiümer erklären, an denen uns Verwechselungen von ähnlichen Consonanten vorliegen. Aus der Verwechselung von י und צ ist Jesaia XI, 15 das unverständliche בעי□ רוחו geworden; setzen wir das ursprüngliche בעצם ein, so gewinnen wir einen vorzüglichen Sinn. Häufiger sind die Beispiele, in denen א und ת verwechselt wurden. I. Sam. 24,11 muss der redende David ואחס sagen, umgekehrt Jeremia 3,8, wo von Juda in der dritten Person gesprochen wird, ותךא stehen; ein Beispiel im Aramäischen ist Esra 6,4, wo חדא neben dem masculinum אע stehen muss. נ ist mit פ verwechselt Ezech. 22,20, wo es והפחתי heissen muss (vgl. das. 20,2t)1), mit כ Ezech. 23,21, wo es למעך heissen muss (vgl. 23,8) 2). Wichtiger wurden die Erklärungen aus der Verwechselung von כ und מ• Sie werden belegt durch Stellen wie "דתם II Kön. 22,4, wo sich aus V. 9 (התיכו) ergiebt, dass דתך gelesen werden muss. Nach Jud. 15,20 war Simson 20 Jahre Richter, während jer. Sota 1,8 (17 b) 40 Jahre citiert wird, wofür eine Erklärung nur möglich ist, wenn eine Verwechslung der Zahlzeichen כ und מ stattfand. So erklärt sich dann auch die Abweichung zwischen II. Chron. 22,2 und II Kön. 8,26 im Lebensalter des Königs Amazja. Nach demselben Gesetze ergiebt sich ein vorzüglicher Sinn für Ezechiel 3,12, wenn wir ברום כבודד'ממקומו lesen3). Die letztere Conjectur machte ausserordentliches Aufsehen und rief einen Sturm des Widerspruchs hervor. Sie war um so kühner, als jener Vers, welcher bisher die Vision vom Gotteswagen mit einer erhabenen Lobpreisung der Herrlichkeit Gottes abschloss, nun einen ganz nüchternen Sinn erhielt. Ueberdies hatte der Vers durch seine Verwendung in derKeduschah, einem wesentlichen Theile der Liturgie, eine ganz besondere Autorität. Nichtsdestoweniger hat Luzzatto seine Verbesserung aufrecht erhalten und gegen alle sprachlichen Angriffe verteidigt.4) Er emendirte eben nicht, um geistreich zu sein, sondern aus tiefem inneren Drange, die Wahrheit zu ermitteln. Wo er es aber that, war er sich über die Tragweite seiner Conjekturen 9 'כרמי שומר das. 2) Ker. Cheia. II, 130. 8) Selbstverständlich übersah Luzz nicht, dass auch nach unserer üblichen Schrift Verwechselungen zwischen ähnlichen Buchstaben wie ך und ב יר und כ u. a. leicht ein treten konnten. 4) vgl. besonders den lebhaften Streit mit Z. Frankel im Epistol. S. 063, 668, 67Q, ff.