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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1900-01-01 · Heft 9 · p. Seite 475

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
44 (1900)
Issue
Heft 9
Article
S. D. Luzzatto's Stellung zur Bibelkritik
Date
1900-01-01
Page
Seite 475 (sequence 16)
Language
German
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S. D. Luzzatto’s Stellung zur Bibelkritik. 475 den gangbaren Texten abweichende Lesarten. Luzzatto’s Forscliungen über die Accente haben ausserordentlich anregend und befruchtend gewirkt, und es wäre lohnend, das yon ilim auf diesem Gebiete Geleistete zu sammeln und übersichtlich darzustellen 1). Die Vokalzeichen haben denselben Ursprung wie die Accente. In der uns vorliegenden Form dienen sie ebenfalls häutig dem Zwecke, Missverständnisse in der Deutung der heiligen Schrift zu verhüten. Zu diesem Behufe wurden in der Vocalisation vielfach Aenclerungen gegen den üblichen Sprachgebrauch und die überlieferte Aussprache des Consonantentextes vorgenommen. Auch durch die Abschriften konnten sich Fehler in der Vocalisation und in der Orthographie (מלא und הסר) ein schleichen. Wo wir solche erkennen und durch die sonstige Dictum der Bibel belegen können, müssen wir sie unbedenklich beseitigen2). Noch anregender für die Kritik sind Luzzatto’s Anscliauungen über die Schicksale unseres Consonantentextes. Hier hat er das Verdienst, als Erster bestimmte paläographische Gesichtspunkte angegeben zu haben, nach denen Irrthümer im Wortlaute der heiligen Schrift erkannt und das Ursprungliehe und Richtige wieder eingesetzt werden kann. Vor der makkabäischen Zeit, bevor der Kanon gesammelt und zum Abschluss gebracht worden war, bevor es noch einen sorgfältig behüteten Mustertext gab, konnten leicht durch Ab- Schriften Fehler in die Bibel eindringen. Namentlich trug der Uebergang von der althebräischen Schrift zu den ge־ bräuchlichen sogenannten assyrischen Zeichen wesentlich zur Häufung solcher Fehler bei3). In der althebräischen Schrift h Ein Brief Luzzatto’s über die Accentlehre ist veröffentlicht in S. Baer’s חורת אמת, Roedelheim, 1852. 2) Hebr. Br., S. 367 נ! .ואם נצטרך להחליף הנקודות והטעמים אין רע! den Comment. vgl. z. B. zu des. 1 12, wo sich auch Belegstellen für den Pentateuch finden und sonst häufig. 3) Dass die Schrift verändert wurde, beweist Luzzatto gegen den imhistorischen Satz: צורת האותיות הלכה למשה מסיני durch zwei schlagende Argumente. Die Tannaitn hätten sich eine solche Anschauung nie ausdenken können, wenn sie nicht eine feste Ueberlieferung über den Wechsel der Schriftzeichen gehabt hätten. Ferner finden sich in der Bibel Textfehler, deren Möglichkeit nur aus der Aehnlichkeit der Buchstaben in einer von der unsrigen abweichenden, dem Samaritanischen ähnlichen Schrift erklären lässt; vgl. den Brief an Kirchheim in dessen כרמי שומר, S. 106ft.

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